Zwölf Krefelder für mutiges Handeln geehrt

Couragierte Bürger im Rathaus ausgezeichnet

Oberbürgermeister Frank Meyer und Polizeipräsident Rainer Furth haben mit einer Feier im Rathaus couragierte Bürger ausgezeichnet.

Eine Jury hatte zuvor zum neunten Mal in Folge zwölf Personen ausgewählt, die sich in besonderer Weise mit Mut, Beherztheit und Umsicht für andere eingesetzt haben. !Sie alle sind im Laufe des vergangenen Jahres in Situationen geraten, in denen Sie im Grunde zwei Optionen hatten. Sie konnten wegschauen, weitergehen, sich um ihren eigenen Kram kümmern. Oder Sie konnten handeln, einschreiten und einem anderen Menschen helfen. Sie alle haben sich zum Glück für die zweite Möglichkeit entschieden. Dafür danke ich Ihnen von ganzem Herzen", sagte Oberbürgermeister Frank Meyer im historischen Ratssaal.

Polizeipräsident Rainer Furth schloss sich diesem Dank an: "Wir als Polizei können nicht überall sein. Sie sind absolute Vorbilder, die das Leid anderer gelindert haben." Er erwähnte in dem Zusammenhang, dass zumindest die Zahl von 5000 Fällen der sogenannten Straßenkriminalität in 2015 die kleinste der vergangenen zehn Jahre ist. Trotzdem sei jeder Fall einer zu viel, betonte Bettina Lindgens vom Opferschutz-Verein "Weißer Ring". Sie beschrieb, dass ihr zwölfköpfiges Team im vergangenen Jahr 300 Betroffenen zur Seite gestanden habe. "Mal nur ganz kurz, mal aber auch über eine längere Zeit. Viele Menschen verfolgt es jahrelang, wenn sie Opfer einer Straftat geworden sind. Leider ist es so, dass viele Täter heutzutage vor nichts mehr zurückschrecken. Und leider ist es auch nicht so, dass alle Menschen so handeln, wie Sie es getan haben."

Die Auswahl hat nicht nur eine große Bandbreite an Delikten und Anlässen, sondern auch eine interessante Vielfalt von Persönlichkeiten ergeben (siehe auch Foto-Galerie). Luping Li und Michael Kurt Rutsch zum Beispiel beobachteten in der Nacht zum 6. Januar, wie ein Einbrechertrio auf der Breite Straße versuchte, zunächst eine Haustüre und später einen Zigarettenautomaten aufzuhebeln. Li und Rutsch verständigten die Polizei und gaben Hinweise auf die Täter. Zwei konnten in unmittelbarer Nähe festgenommen werden. Der dritte Täter entkam. Das Tatwerkzeug und das Auto der Täter wurden sichergestellt. Ohne die Informationen der aufmerksamen Nachbarn wäre die Festnahme nicht möglich gewesen.

Gleich zweimal konnte der sogenannte Enkeltrick verhindert werden. Die Bank-Angestellte Dörte Ingeborg Pfundt wurde am 29. Januar hellhörig, als eine 92-jährige Krefelderin 9000 Euro in bar abheben wollte. Im Gespräch mit der Kundin erhärtete sich der Verdacht, dass die Seniorin Opfer eines klassischen Enkeltricks werden sollte. Die Frau schilderte einen Anruf eines angeblich entfernten Verwandten, der dringend Geld benötigt. Der Anrufer wolle jemanden zur Abholung der Summe vorbei schicken. Die Bankangestellte verständigte in Absprache mit der Betroffenen umgehend die Polizei, so dass die Straftat verhindert werden konnte. Hans Georg Prell wurde am 10. Februar in einer Gaststätte auf ein Telefonat eines 87-Jährigen aufmerksam. Dem Gesprächsverlauf folgend konnte er vernehmen, dass der Senior um 30 000 Euro gebeten wurde. Im Zuge dessen erinnerte sich der Zeuge, dass wenige Augenblicke vorher eine ihm jetzt verdächtig vorkommende Person kurz in der Gaststätte war und nach der Telefonnummer der Gaststätte gefragt hatte. In Absprache mit dem Betroffenen und dem Gastwirt, Dietmar Hensel, hat er die Polizei verständigt. Der Senior gab später an, dass seine Nichte auf dem Festnetzanschluss der Gaststätte angerufen habe und für einen Notartermin das Geld benötige. Ein Bekannter wolle das Geld später abholen. Ohne die Aufmerksamkeit der Zeugen und deren beherztem Eingreifen hätte diese Straftat wahrscheinlich nicht verhindert werden können.

Unter Einsatz ihres Lebens retteten Cem Smets-Kilic und Sükrü Kilic am 13. März ihre Schwester. Sie hatten Schreie aus dem Haus gehört. Im Obergeschoss konnten sie ihre Schwester gerade noch auffangen, als diese bewusstlos zusammenbrach. In der Küche der Wohnung stand die Dunstabzugshaube in Brand und es kam zu erheblicher Rauchentwicklung. Die Brüder hielten sich und ihrer Schwester nasse Tücher vor Mund und Nase und konnten durch das Treppenhaus nach draußen flüchten.

Am 3. Mai kam es an der Seidenstraße zu einem Einbruch. Willi Horst Krause bemerkte den Täter und verschloss Haustüre und Kellertüre, gleichzeitig verständigte er die Polizei. Der Tatverdächtige konnte von den eingesetzten Polizeibeamten im zweiten Obergeschoss festgenommen werden. Er hatte diverse Flaschen Alkohol gestohlen. Das couragierte Verhalten des Zeugen ermöglichte die Festnahme des Täters.

Helena Kistella beobachtete am 2. April auf dem Nauenweg, wie zwei männliche Täter mit einem Stein die Terrassentüre eines Reihenhauses einwarfen. Sie verständigte die Polizei, die die Täter durch die schnelle Reaktion der Zeugin noch im Tatobjekt festnehmen konnte. Ihr Verhalten ist vorbildlich im Sinne einer funktionierenden und wachsamen Nachbarschaft.

Am 31. Juli fuhr Natascha Vallas mit ihrem Auto über die Oppumer Straße. Sie beobachtete, wie eine Frau von zwei Männern geschlagen wurde. Nachdem sie die Situation erfasst hatte, fuhr sie zurück und hupte ununterbrochen. In Höhe der Personen hielt sie an und öffnet die Beifahrertüre. Durch das energische Auftreten der Zeugin ließen die Männer von der Frau ab. Sie konnte in das Auto einsteigen und flüchten. Die Männer hatten der Frau Bargeld und Handy geraubt, konnten aber noch in Tatortnähe festgenommen werden. Ohne das Einschreiten der Zeugin wäre die Situation sicher noch weiter eskaliert.

Am 20. September begab sich am Bahnübergang Degensweg ein 72-Jähriger nach Absenken der Bahnschranken auf die Gleise und blieb dort stehen. Horst Siebert sah dies und forderte ihn auf, das Gleisbett zu verlassen. Der Betroffene reagierte jedoch nicht. Daraufhin begab sich Siebert selbst aufs Gleisbett und zog den 72-Jährigen zur Seite. Nur dem beherzten Einschreiten ist es zu verdanken, dass der Betroffene gerettet wurde.

Am 24. Oktober kam es auf der Leidener Straße zu einem versuchten Tageswohnungseinbruch. Die zwei Tatverdächtigen wurden von Markus Martin Hennes angesprochen, ließen daraufhin von einer weiteren Tatausführung ab und konnten zunächst unerkannt flüchten. Ungefähr eine Stunde später beobachtete Hennes, wie die Beiden in Hüls in die Straßenbahn einstiegen, verständigte sofort die Polizei, die sie noch in der Straßenbahn festnehmen konnte. Ohne das konsequente Verhalten des Zeugen hätten die beiden Tatverdächtigen unerkannt entkommen können.