27.10.2020 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Zunehmende Kritik an geplantem Erdogan-Auftritt in Köln

Zunehmende Kritik an geplantem Erdogan-Auftritt in Köln

Özoguz: Vorgehen nach Grubenunglück "nicht hinnehmbar"

Der geplante Auftritt des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan in Köln stößt wegen seines Umgangs mit dem Bergwerksunglücks in Soma zunehmend auf Kritik.

Köln - Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" ("FAS"), sie finde es "misslich", dass Erdogan so kurz vor der Europawahl in Deutschland eine große Veranstaltung abhalten werde. Die Bilder aus der Türkei zum Vorgehen gegen Demonstranten seien "absolut erschütternd und nicht hinnehmbar". "Solche Bilder entfernen die Türkei weit von demokratischen Verhältnissen", kritisierte die SPD-Politikerin.

Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner legte den in Deutschland lebenden Türken nahe, dem geplanten Auftritt Erdogans fernzubleiben. "Ich kann mir nur wünschen, dass bei Erdogans Auftritt in Köln möglichst viele hier lebende Türkischstämmige durch Abwesenheit zeigen, dass sie mit seinem gegenwärtigen Agieren in der Türkei nicht einverstanden sind", sagte Klöckner der "Welt". Erdogan fehle "Empathie sowohl beim Umgang mit dem Bergwerksunglück als auch generell gegenüber den Bedürfnissen der Türken nach Wahrung der Menschenrechte und der Meinungsfreiheit". Ihr Eindruck sei, dass Erdogan "ein anderer geworden ist als noch vor einigen Jahren".

Der ehemalige Fraktionschef der Grünen, Jürgen Trittin, sagte der "FAS", Erdogan habe "jedes Gefühl für die Realität verloren". Es stelle sich heraus, dass die Kritik von Bundespräsident Joachim Gauck, die von der türkischen Regierung mit großem Missfallen aufgenommen worden sei, "zutreffend war", sagte Trittin. Gauck hatte Ende April bei seinem Türkei-Besuch vor Gefahren für die Demokratie durch Einschränkungen von Meinungs- und Pressefreiheit sowie Eingriffe in die Gewaltenteilung gewarnt.

Erdogan will am kommenden Samstag in Köln zu in Deutschland lebenden Anhängern sprechen. Bei der Wahl des türkischen Präsidenten am 10. August können erstmals auch außerhalb der Türkei lebende Türken ihre Stimme abgeben.

(xity, AFP)


Copyright 2019 © Xity Online GmbH