Zukunftssorgen belasten Arbeitssuchende

Weiterbildung als Weg aus der Arbeitslosigkeit

Viele Arbeitssuchende müssen und wollen sich weiterbilden, doch oft fehlen passende Angebote.

Bad Honnef - Die neue "Trendstudie Arbeitslosigkeit" der IU Internationalen Hochschule zeigt, dass Hoffnung und Verzweiflung bei Menschen, die seit maximal zwei Jahren arbeitslos sind oder kurz vor der Arbeitslosigkeit stehen, Hand in Hand gehen. Laut der Befragung schätzen knapp 40 Prozent ihre Aussicht auf eine neue
Anstellung aktuell als schlecht bis sehr schlecht ein. Ebenso viele sehen in ihrer Arbeitslosigkeit eine Chance, zum Beispiel über die berufliche Zukunft nachzudenken oder einen Job zu finden, der ihnen wirklich gefällt. Doch auf dem Weg dahin identifiziert die Studie mehrere Hindernisse.

So erschweren zum Beispiel psychische Belastungen den Weg zurück in die Festanstellung: Über die Hälfte gibt an, emotional unter der Situation zu leiden (52,5 Prozent). Viele fühlen sich antriebslos und haben Schwierigkeiten, überhaupt in den Tag zu starten (42,4 Prozent). "Die psychische Belastung von
Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit ist nicht verwunderlich, aber besorgniserregend. Um gute Leistung erbringen zu können und langfristig ihre Gesundheit zu erhalten, brauchen Menschen eine stabile positive Einstellung in ihrem Leben. Maßnahmen während Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit sollten daher auch die psychische Verfassung der Menschen berücksichtigen und Optimismus, Hoffnung und eine positive Einstellung zum Leben fördern", sagt Prof. Dr. Regina Cordes, Leiterin des Studiengangs New Work und Prorektorin an der IU Internationalen Hochschule.

Zu alt für die Zukunft?

Rund zwei Drittel der Befragten befürchten, bei der Arbeitssuche potenziell benachteiligt zu werden, die meisten aufgrund ihres Alters (25,5 Prozent). Auch der zweithäufigste Grund derer, die sich nicht weiterbilden wollen, ist, dass sie sich zu alt dafür fühlen (37,1 Prozent). "Ab wann ist man zu alt für eine Weiterbildung oder eine neue Anstellung? Schon die Frage an sich ist diskriminierend und auch wirtschaftlich schädigend, denn häufig wird dieses Alter recht niedrig, mit 50 oder sogar 40 Jahren, angesetzt. Damit beraubt man nicht nur die Weiterbildungswilligen ihrer Chance auf berufliche Entwicklung, sondern dezimiert bewusst das Beschäftigungspotenzial einer großen Gruppe der Arbeitsmarktteilnehmer," so Prof. Dr. Anastasia Hermann, Professorin für Personalmanagement an der IU Internationalen Hochschule.

Grundsätzlich ist der Wille da, in die eigene Zukunft zu investieren: 85,1 Prozent der Befragten interessieren sich für eine Weiterbildung. Die überwiegende Mehrheit (62,4 Prozent) ist bereit, jede Woche 21 bis 40 Stunden für Fortbildungen aufzubringen. Der wichtigste Antrieb ist, einen neuen Job zu finden (49,9 Prozent). Doch viele erhoffen sich auch, über die Weiterbildung flexibler arbeiten zu können (34,1 Prozent) oder sich beruflich ganz zu verändern (30,1 Prozent).

Das größte Interesse für Weiterbildungen gibt es in den Bereichen Gesundheit, IT und Technik. Allerdings: Zwei Drittel sagen, dass sie kein Angebot finden, dass zu ihnen passt. Das liegt laut Studie überwiegend an den Inhalten (37,3 Prozent), aber auch daran, dass die Angebote zu weit von ihrem Wohnort entfernt
sind (25,1 Prozent) oder nicht flexibel genug auf ihre Lebenssituation eingehen (13,8 Prozent). Eine optimale Weiterbildung ist laut Umfrage vor allem digital (49 Prozent) sowie eine Kombination aus Präsenz- und Onlineunterricht (28 Prozent).

Die digitalen Skills der Befragten sind allerdings noch nicht im Heute angekommen: Über die Hälfte geben an, keinerlei Grundkenntnisse im agilen Projektmanagement, in der Softwareprogrammierung, in Data Science oder Cyber Security zu haben. "Die Zukunft wird immer digitaler, auch für Arbeitsuchende. Weiterbildungen müssen genau da ansetzen, wo digitale Skills benötigt werden. Die bereits vorhandenen Skills beschränken sich größtenteils auf den Umgang mit alltäglichen Tools. Alles, was darüber hinausgeht und was die Arbeitsmarktchancen deutlich steigern könnte, muss gelernt werden", so Prof. Regina Cordes.



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