14.11.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> "Zukunft durch Industrie - Krefeld"

"Zukunft durch Industrie - Krefeld"

Trends und Entwicklungen in der Seidenstadt

Wie lassen sich die Anforderungen eines exportorientierten, zukunftsfähigen Industriestandorts und die Bedürfnisse der Bürger übereinbringen? Wie entwickelt sich der Logistikdrehpunkt Krefeld?

Krefeld - Unter dem Titel "Krefeld im Dialog – Logistik und Flächen“ haben Mitglieder der Initiative "Zukunft durch Industrie – Krefeld“ und die Arbeitsgemeinschaft Krefelder Bürgervereine diese und viele weitere Fragen in der Museumsscheune in Linn diskutiert.

"Wir werden die Probleme heute nicht lösen können, aber wir können sie adressieren und gemeinsam nach Lösungsansätzen suchen“, erklärte Dr. Bernd Diener, Sprecher der Initiative "Zukunft durch Industrie – Krefeld“. Die Stadt zeichne sich durch eine Exportquote von 54 Prozent aus. "Wir müssen alles daran setzen, diesen Industriestandort nicht nur zu erhalten, sondern auch zu entwickeln“, so Diener. "Nur eine Lieferkette, die flutscht, ermöglicht die Wertschöpfungskette, die für den Wohlstand wichtig ist.“

"Die Bürger wissen, dass sie die Industrie brauchen. Sie sorgt für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen“, betonte Hans Jürgen Herzog, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Krefelder Bürgervereine. "Auf der anderen Seite gibt es Dinge, die uns nicht so sympathisch sind, wie zum Beispiel Schmutz, Lärm und Abgase.“ Inwiefern diese Aspekte bei sämtlichen Planungen berücksichtigt werden müssen und dass einige Projekte gerade auch zur Entlastung der Bevölkerung realisiert werden sollten, zeigten drei Impulsvorträge.

"Ein Haupttrend der Logistik ist: Es wird mehr“, erklärte Andreas Hamm von den Neuss-Düsseldorfer Häfen, die mit 49 Prozent am Hafen Krefeld beteiligt sind, in seinem Vortrag "Trends und Entwicklungen in der Logistik“. Man könne davon ausgehen, dass sich die Containermenge an der Rheinmündung bis zum Jahr 2030 verdopple, wenn nicht sogar verdreifache. Darauf müssten die Häfen reagieren: Transporte müssten verstärkt von der Straße auf Schiene und Wasserwege verlagert werden. Das könnten die Häfen leisten. "Aber dafür müssen sie fit gemacht werden“, so Hamm. "Sie brauchen eine optimale Anbindung ans Schienen- und Straßennetz.“ Entsprechend müsse vor allem auch das Schienennetz ausgebaut werden.

"Die grenzüberschreitenden Schienenwege werden heute von 749 Zügen befahren und stoßen damit schon jetzt an ihre Kapazitätsgrenzen. Aktuelle Berechnungen sagen für das Jahr 2025 täglich etwa 1.020 Züge voraus. "Der Eiserne Rhein würde Entlastung schaffen“, betonte er und beruhigte die Zuhörer: "Es gibt überhaupt noch keine konkrete Planung. Die jüngst vom Bundesministerium vorgeschlagene Streckenführung minimiert zwar den Aufwand, weil sie bestehende Trassen nutzt, mittelfristig brauchen wir aber zusätzliche Gleise. Dazu gibt es Überlegungen, von denen auch die Städte weniger betroffen wären.“

Die Anforderungen der Logistikbranche an den Standort erläuterte der Mönchengladbacher Immobilienexperte Norbert Bienen. "Die zunehmenden Warenströme verlangen nach intelligenten und optimierten Logistiklösungen und einer funktionierenden Verkehrsinfrastruktur“, so Bienen. Deshalb seien Flächen mit einer guten Straßenanbindung oder besser noch Schienen- und Wasseranbindung dringend erforderlich. "Leider reicht das Flächenangebot in Krefeld nicht aus.“ Im Hafen zum Beispiel stünden nicht alle unbebauten Flächen für eine Ansiedlung zur Verfügung. Außerdem betonte Bienen, dass durch Logistik-Ansiedlungen 1.500 Arbeitsplätze in Krefeld geschaffen worden seien. Schließlich plädierte Bienen dafür, Gewerbe nach dem Vorbild der Niederländer verstärkt an Autobahnen anzusiedeln, wo es keinen Konflikt mit Wohngebieten gibt.

Für ein solches Projekt warb der Krefelder Planungsdezernent Martin Linne. Er erläuterte die Vorteile des Interkommunalen Gewerbegebiets Krefeld-Meerbusch-Willich, an dessen Planung die beteiligten Kommunen und die Industrie- und Handelskammer Mittlerer Niederrhein in Absprache mit der Bezirksregierung arbeiten.

Die Mitglieder der Bürgerinitiativen brachten ihre Sorgen vor allem über ein erhöhtes Verkehrsaufkommen zum Ausdruck und forderten, dass Lärmschutzmaßnahmen bei der Planung künftiger Projekte eine größere Bedeutung haben müssen. Außerdem sorgen sich die Mitglieder um die Führung des Eisernen Rheins und plädierten für eine Variante, die die Krefelder Bürger nicht belastet. Bei der Führung der Westumgehung (B9) hingegen haben die Bürgervereine unterschiedliche Vorstellungen.

Man habe viel gehört und müsse die Informationen verarbeiten und mit den eigenen Vorstellungen in Einklang bringen, erklärte Herzog am Ende des Abends. Und Diener appellierte an die Mitglieder der Bürgervereine: "Kommen Sie auf uns zu. Wir brauchen den Dialog.“


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