17.10.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Zahl der Pflegebedürftigen steigt stärker als erwartet

Zahl der Pflegebedürftigen steigt stärker als erwartet

2060 schätzungsweise 4,52 Millionen Menschen pflegebedürftig

Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland steigt einer Studie zufolge in den kommenden Jahrzehnten stärker als erwartet.

Berlin - Im Jahr 2060 werden schätzungsweise 4,52 Millionen Menschen auf Pflege angewiesen sein und damit rund 221.000 mehr als bislang prognostiziert, wie aus dem am Dienstag in Berlin veröffentlichten Barmer-Pflegereport hervorgeht. Das ist ein Plus von etwa fünf Prozent gegenüber bisherigen Schätzungen.

Die Prognose muss nach oben korrigiert werden, weil in früheren Vorausberechnungen der Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung unterschätzt wurde. Die neuen Zahlen basieren auf Daten des Zensus 2011. Vor allem bei den Männern wird die Zahl der Pflegebedürftigen deutlich wachsen. Von den zusätzlichen 221.000 Pflegebedürftigen bis 2060 werden der Studie zufolge 176.000 Männer sein.

Insbesondere ab 2040 wird sich zudem die drastische Alterung der Pflegebedürftigen deutlich verstärkt. Während heute noch 30 Prozent aller pflegebedürftigen Männer älter als 85 Jahre sind, wird deren Anteil den Berechnungen zufolge bis 2060 auf knapp 60 Prozent steigen. Unter den pflegebedürftigen Frauen ist heute jede Zweite hochbetagt, im Jahr 2060 werden 70 Prozent über 85 Jahre alt sein. Nach Auffassung des Vorstandsvorsitzenden der Barmer GEK, Christoph Straub, sind damit "weitere Pflegereformen vorprogrammiert".

Dem Report zufolge sind die Kapazitäten in der ambulanten und stationären Pflege in den vergangenen Jahren schneller gewachsen als die Zahl der Pflegebedürftigen. Während die Zahl der Betroffenen zwischen 1999 und 2013 um etwa 30 Prozent stieg, erhöhte sich die Bettenzahl im stationären Bereich um knapp 40 Prozent und die Zahl der Pflegedienstbeschäftigten, umgerechnet auf Vollzeitstellen, um 70 Prozent. Dieser Anstieg sei vor allem auf Teilzeitarbeit und geringfügig Beschäftigte zurückzuführen, erklärte die Barmer GEK.

Allerdings mangelt es schon heute an Pflegekräften. Um das derzeitige Verhältnis von Pflegekräften pro Pflegebedürftigem wenigstens stabil zu halten, müsse sich der Anteil der Pflegebeschäftigten an der Erwerbsbevölkerung mehr als verdoppeln, erklärte Studienleiter Heinz Rothgang von der Universität Bremen. Solche Bemühungen seien aber "noch nicht einmal ansatzweise erkennbar".

Angesichts der demografischen Entwicklung müssen sowohl Frauen als auch Männer häufiger mit Pflegebedürftigkeit rechnen. Von den im Jahr 2013 Verstorbenen waren bereits drei Viertel der Frauen und mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Männer pflegebedürftig. Insgesamt sind heute 2,6 Millionen Menschen auf Pflege angewiesen. Auch die Dauer der Pflege weitet sich der Studie zufolge aus. Von den Männern waren 22 Prozent und von den Frauen sogar 41 Prozent vor ihrem Tod im Jahr 2013 länger als zwei Jahre gepflegt worden.

Die Studie bestätigt ferner, dass vor allem Frauen Pflege leisten. Insgesamt rund 1,87 Millionen Menschen werden demnach heute im häuslichen Umfeld von rund 3,7 Millionen Angehörigen gepflegt. Nur ein Drittel davon seien Männer. Zudem widmeten sich Frauen überwiegend im Alter von 40 bis 75 Jahren und damit fünf Jahre früher als Männer der Pflege.

(xity, AFP)


Copyright 2018 © Xity Online GmbH