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Zahl der Kinderunfälle auf zweitniedrigstem Stand

Initiative "Krefelder Fairkehr" trägt Früchte

Insgesamt 84 Kinder und Jugendliche sind im Krefelder Straßenverkehr im Jahr 2014 verunglückt, 23 davon als passive Verkehrsteilnehmer.

Krefeld - Diese Zahlen hat der Arbeitskreis Verkehrssicherheit für Kinder in Krefeld - auch bekannt als Initiative "Krefeld Fairkehr" - als das bisher zweibeste Ergebnis seiner Bemühungen um mehr Verkehrssicherheit in der Stadt bewerten können. Überschattet wird die Bilanz allerdings von dem ersten tödlichen Unfall seit sechs Jahren. Kurz vor Weihnachten starb ein Vierjähriger auf dem Westwall nach einem Unfall mit einem Auto. "Jeder Unfall mit einem Kind ist einer zu viel, dieser tragische Unfall erst recht", so Polizeidirektor Karl-Josef Klauer.

Im Vergleich zu den schon sehr guten Jahren, 2008 (97), 2010 (87), 2012 (87) und 2013 (77 Unfälle) belegt das Ergebnis von 2014 jetzt den zweitbesten Platz. Seit 1999 (185 Verunglückte), als die Initiative ?Krefelder Fairkehr? ihre Arbeit aufnahm, sind die Unfallzahlen in der Altersgruppe der Kinder bis 14 Jahre mehr als halbiert worden. Zieht man von den nun ermittelten 84 Unfällen noch die Zahl von 23 passiv verunglückten Kindern ab, die überwiegend als Mitfahrer im Auto ihrer Eltern und bei einem Schulbusunfall (allein elf) verunglückten, so ist dies ein Ergebnis, das sehr gut in die Reihe der guten Ergebnisse der letzten Jahre passt. Zur Gesamtbilanz gehört jedoch auch der Hinweis, dass es immer wieder Schwankungen bei der Unfallentwicklung gibt. So waren 2004, 2006, 2008, 2010 und 2012 ?erfolgreiche? Jahre mit geringen Verletztenzahlen, während in 2005, 2007, 2009 und teilweise auch 2011 Rückschläge hingenommen werden mussten. Seit Beginn der Datenerhebung verunglückten bis auf eine Ausnahme immer mehr Jungen als Mädchen. 2014 waren 32 Mädchen und 52 Jungen betroffen. ?Das zeigt uns, dass wir noch genauer auf die Jungen einwirken müssen, um auch hier die Zahl senken zu können?, so Klauer. Unter den 84 verunglückten Kindern waren nur 14 Schwerverletzte. Auch das ist eine der niedrigsten Zahlen (Vorjahr 8), seit die Verkehrssicherheitsinitiative 1999 (41 Schwerverletzte) ihre Arbeit aufnahm.

Die Ursache für den Rückgang sehen die Fachleute vor allem im verminderten Geschwindigkeitsniveau des Kraftfahrzeug-Verkehrs auf Krefelder Straßen. Bei der allgemeinen Unfallanalyse spielt die Geschwindigkeit nur noch eine nachgeordnete Rolle. Die unvermindert hohe Zahl der Verkehrskontrollen von Polizei und Stadt dazu geführt, dass sich die registrierten Tempo-Verstöße in den letzten Jahren kontinuierlich verringert haben. Fahrzeuge mit Krefelder Kennzeichen, die die vorgegebenen Geschwindigkeitsbegrenzungen sehr deutlich überschreiten, gibt es nahezu nicht mehr. Als "Raser" gehen den Verkehrskontrolleuren von Polizei und Ordnungsamt vor allem auswärtige Fahrer ins Netz. Überhöhte Geschwindigkeit, von der Ruhr-Uni Bochum in einer Studie, die als Arbeitsgrundlage für Krefelder Fairkehr diente, noch als eine der Hauptursachen für das Unfallgeschehen auf Krefelder Straßen ausgemacht, spielt keine große Rolle mehr. Umso mehr rücken dagegen MP3-Player und Handys in den Vordergrund. Sie scheinen dafür verantwortlich zu sein, dass sich immer mehr Kinder und Jugendlich nicht voll auf den Verkehr konzentrieren und abgelenkt sind. Daher beschäftigt sich auch der aktuelle Kinospot von Krefelder Fairkehr mit diesem Thema.

Die Initiative Krefelder Fairkehr ist 1999 in die intensive Phase der Bekämpfung der Kinderunfälle eingetreten. Ausgangspunkt waren eine Untersuchung und ein Handlungskonzept der Ruhruniversität Bochum. Zuvor konnte 1998 die Stiftung für Kriminalprävention unter Leitung von Klaus Stüllenberg in Münster-Hiltrup für ein Forschungsprojekt gewonnen werden. Sie beauftragte die Ruhr-Universität Bochum mit einer Analyse von rund 800 Unfällen mit Kindern und mit der Entwicklung eines daraus resultierenden Handlungskonzepts.

Einen wichtigen Beitrag zum Rückgang der Unfallzahlen mit Kindern leisteten auch knapp 400 bauliche Maßnahmen im Straßennetz. Die Politik in Krefeld trug ebenso mit erheblichen finanziellen Mitteln zum Erfolg von Fairkehr bei. Insgesamt stellten Stadt Krefeld und Land in den vergangenen 15 Jahren rund drei Millionen Euro für die Arbeit der Initiative bereit. Hartmut Könner, Leiter des Arbeitskreises Verkehrssicherheit für Kinder in Krefeld: "Krefelder Fairkehr ist kein Projekt, sondern selbstverständlicher Bestandteil der Alltagsorganisation zahlreicher Behörden, Ämter und Institutionen geworden. Die Initiative beeinflusst seit Jahren viele behördliche, politische und pädagogische Entscheidungen".

Auch 2015 geht die Arbeit weiter. Kinderstadtpläne und Schulwegradpläne werden weiter aktualisiert, die Aktionen Black Box und Toter Winkel laufen weiter und das Verkehrssicherheitstraining an Schulen wird fortgesetzt. Neu ist ein Versuch an der Edith-Stein-Grundschule. Hier testen Polizei und Verkehrswacht eine so genannte Elternhaltestelle. Eltern können sicher ihre Kinder absetzen und müssen sie nicht mehr direkt bis an das Schultor fahren. In anderen Städten wurden damit gute Erfahrungen gemacht.


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