24.10.2020 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Zahl der Ärzte steigt auf Rekordhöhe von über 365.000

Zahl der Ärzte steigt auf Rekordhöhe von über 365.000

Ärztekammer sieht dennoch Mangel

Einer Statistik der Bundesärztekammer zufolge ist die Zahl der Mediziner im vergangenen Jahr noch einmal um 2,2 Prozent gestiegen.

Berlin - Die Zahl der Ärzte in Deutschland ist erneut gestiegen: Laut einer Statistik der Bundesärztekammer (BÄK) waren hierzulande im vergangenen Jahr 365.247 Ärzte tätig. Das sind so viele wie nie zuvor. Trotz des neuerlichen Anstiegs um 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr warnte Ärzte-Präsident Frank Ulrich Montgomery aber erneut vor einem Ärztemangel. Das leichte Plus reiche "bei Weitem nicht aus, um die Lücken in der medizinischen Versorgung zu schließen". Die gesetzlichen Kassen sehen hingegen vor allem ein Verteilungsproblem zwischen ländlichen Gebieten und Ballungsräumen.

Laut BÄK hat die Ärzteschaft ebenso wie die Gesamtbevölkerung ein Alterungsproblem. Der Anteil der unter 35-jährigen Ärzte lag 2014 demnach bei 18,3 Prozent. 1993 waren noch 26,6 Prozent der Mediziner jünger als 35 Jahre. Der Anteil der 50- bis 59-jährigen Ärzte lag im vergangenen Jahr bei 28,5 Prozent. Umfragen zufolge will fast jeder vierte niedergelassene Arzt bis 2020 seine Praxis aufgeben.

Laut Montgomery verschieben sich zudem die Prioritäten der Jungmediziner. Viele junge Ärzte legten Wert auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf und Familie sowie auf flexible Arbeitszeiten. Immer mehr entscheiden sich für eine Anstellung und gegen eine Niederlassung. Zwischen 1993 und 2014 wuchs die Zahl der im ambulanten Bereich angestellten Mediziner von knapp 5400 auf mehr als 26.000.

Hinzu kommt laut Montgomery ein Mehrbedarf an Ärzten aufgrund der älter werdenden Bevölkerung und der neuen Behandlungsmöglichkeiten. Zwar sorge die Zuwanderung ausländischer Ärzte vor allem in ländlichen Regionen für Entlastung. So stieg die Zahl der in Deutschland gemeldeten ausländischen Ärzte im vergangenen Jahr um 10,5 Prozent auf rund 39.600. Die meisten Ärzte kamen aus Rumänien, gefolgt von Griechenland, Österreich und Polen.

Laut Montgomery reicht aber auch dies nicht aus, um die Lücken zu schließen. "Abwehren lässt sich der Ärztemangel nur, wenn es gelingt, mehr Ärzte auszubilden", erklärte er. Ein Hoffnungsschimmer sei immerhin, dass die Zahl der Zulassungen in den Fächern Innere und Allgemeinmedizin gegenüber dem Vorjahr etwas gestiegen sei.

Die Kassen sehen Deutschland hingegen weit entfernt von einem allgemeinen Ärztemangel. Es müsse aber dafür gesorgt werden, "dass die Ärzte auch dort zu finden sind, wo sie gebraucht werden", erklärte Florian Lanz, Sprecher des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Versorgung auf dem Land müsse gestärkt und die Überversorgung in den Ballungsgebieten abgebaut werden - "auch gegen den Widerstand der Ärzteverbände".

(xity, AFP)


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