Zahl der Ärzte in Deutschland steigt - Behandlungsbedarf aber auch

Deutlicher Zuwachs bei ausländischen Ärzten

Die Zahl der Ärzte in Deutschland steigt. Im vergangenen Jahr gab es bundesweit rund 371.300 Mediziner und damit 6055 mehr als im Vorjahr, wie die Bundesärztekammer (BÄK) mitteilte.

Berlin - Das entsprach einem leichten Anstieg um 1,7 Prozent. Rund 189.600 Mediziner arbeiten im Krankenhaus, mehr als 150.000 sind ambulant tätig.

Der Verorgungsbedarf steige allerdings schneller als die Ärztezahl, erklärte Ärzte-Präsident Frank Ulrich Montgomery. Zwischen 2004 und 2014 erhöhte sich die Zahl der ambulanten Behandlungen in Deutschland demnach um 152 Millionen. Eine ähnlich Entwicklung gebe es in den Krankenhäusern.

Grund sei vor allem die zunehmende Zahl älterer Patienten. 2015 betrug der Anteil der über 60-jährigen Patienten in den Krankenhäusern 51,5 Prozent. Bis zum Jahr 2030 erwarten Experten einen Anstieg auf knapp 61 Prozent.

"Wenn wir jetzt nicht entschieden gegensteuern, steht die medizinische Versorgung in Zukunft vor immensen Problemen", warnte Montgomery. Er forderte, die Zahl der Medizin-Studienplätze bundesweit um mindestens zehn Prozent zu erhöhen.

Auch die Auswahlverfahren an den Universitäten müssten überarbeitet werden. Neben der Abiturnote müssten Faktoren wie psychosoziale Kompetenzen, soziales Engagement und einschlägige Berufserfahrung stärker berücksichtigt werden. Montgomery sprach sich dafür aus, bis 2017 an allen medizinischen Fakultäten in Deutschland Lehrstühle für Allgemeinmedizin einzuführen.

Auch die Ärzteschaft hat nach Angaben der Kammern mit zunehmender Überalterung zu kämpfen. Zwar stieg im vergangenen Jahr der Anteil der unter 35-jährigen Ärzte leicht um 0,2 Punkte auf 18,5 Prozent. Allerdings erhöhte sich auch der Anteil der über 59-Jährigen um 0,9 auf 17,3 Prozent. Im gleichen Zug ging der Anteil der 40- bis 49-jährigen Ärzte von 25,2 Prozent auf 24,1 Prozent zurück.

Zudem entschieden sich immer mehr Ärzte gegen eine Vollzeitstelle. Betrug der Anteil der Teilzeitärzte an allen niedergelassenen Ärzten 2009 noch fünf Prozent, waren es im Jahr 2013 bereits 13,6 Prozent. Gleichzeitig haben immer weniger Ärzte eine eigene Praxis: Die Zahl der Niedergelassenen sank im vergangenen Jahr um 0,7 Prozent. Dagegen stieg die Anzahl der im ambulanten Bereich angestellten Ärzte auf knapp 29.400. Dies entspricht einem Plus von 11,7 Prozent.

Insgesamt waren im Vorjahr mehr als 42.600 ausländische Ärzte in Deutschland gemeldet. 3560 wanderten neu zu, das war ein Plus von 7,4 Prozent. Der größte Zuwachs kam mit einem Plus von 493 aus Syrien, gefolgt von Ärzten aus Serbien, Rumänien, Russland, Bulgarien und Ägypten.

(xity, AFP)