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Wie funktioniert das Badezentrum Bockum?

Hochkomplizierte Technik für den riesen Spaß

Um 6 Uhr morgens kommen im Bockumer Badezentrum die ersten der 20 Mitarbeiter ins Bad. Bis 10 Uhr haben sie nun Zeit, das Freibad samt Liegewiesen für den Besucheransturm fit zu machen.

Krefeld - "Putz- und Flickstunde“ nennen sie diese vier Stunden vor der Öffnung der Kassen. Mülltonnen werden geleert, die Rutschen nach möglichen kleinen Schäden überprüft.

Immer, wenn es wärmer wird, zieht es auch nachts Menschen ins Freibad. Bewährt sind dafür die zahlreichen Bewegungsmelder am Gebäude und auf dem gesamten Areal. "Häufig trifft unser Sicherheitsdienst ganze Gruppen an, die sich im Becken tummeln. Wer nachts über den Zaun klettert, begeht rein rechtlich Hausfriedensbruch. Zudem ist natürlich kein Angestellter vor Ort, um im Notfall einen Ertrinkenden zu retten“, sagt Dieter Porten, Sachgebietsleiter Bäder. Die ungebetenen Gäste werden fast immer erwischt, da die Bewegungsmelder sofort stillen Alarm schlagen. Da mit der Alarmierung immer der Sicherheitsdienst gerufen wird, entstehen Kosten, die auf die Nacht-Schwimmer verteilt werden. Pro Person werden 80 Euro erhoben. Das Nacht-Schwimmen ist somit nicht nur ein illegales "Vergnügen“, sondern auch ein "teurer Spaß“.

Während das Bad frühmorgens langsam erwacht, arbeiten "unter Tage“ Pumpen, Filter und weitere Maschinen nonstop. Das Wasser macht dabei "Meter“, wie Betriebsleiter Ralf Nehring sagt. Besucher bekommen davon jedoch wenig mit, fast die komplette Wasseraufbereitung findet unterirdisch statt. Und die ist hochkompliziert. Ein Mitarbeiter ist täglich nur damit beschäftigt, sich um die Wasserbeschaffenheit zu kümmern. Besonders im Sommer ist Hochbetrieb angesagt, dann kommen schließlich die Außenbecken hinzu. Sie haben alle einen eigenen Wasserkreislauf. In jedem dieser Wasserkreisläufe wurden für die laufende Saison 2014 die Strömungswächter erneuert.

Diese Sensoren erfassen Strömungsstillstände in den Wasserkreisläufen. Käme es zu einem Stillstand, würden alle Chemikalieneinleitungen in die Beckenwasserkreisläufe gestoppt. Gefährliche Überdosierungen, insbesondere von Chlor, können somit verhindert werden. Theoretisch wäre auch ein Wasserkreislauf für alle Becken zusammen möglich, praktisch sei dies aber nicht sinnvoll, schildert Nehring. "Allein die Erwärmung durch die Sonne ist in dem Mehrzweckbecken mit seinen Maßen von 40 mal 40 Metern und einer Tiefe zwischen 75 Zentimetern und 1,40 Meter eine ganz andere als im Schwimmerbecken, das 50 Meter lang, 21 Meter breit und bis zu 2,60 Meter tief ist.“ In dem Mehrzweckbecken sind 1,6 Millionen Liter Wasser, das Schwimmerbecken fasst knapp 2,6 Millionen.

Die Becken im Freibad konstant auf 24 Grad zu halten, kostet pro Nacht 800 Euro pro Becken. Es ist daher ein einfaches Rechenspiel, ob sich die Öffnung des Freibads lohnt oder nicht. "Wir müssen natürlich auch an unsere Haushaltssituation denken. Daher haben wir die Wetterlage über mehrere Wetterstationen ständig im Blick und können so kurzfristig reagieren“, sagt Fachbereichsleiter Detlef Flick.

Die 4,2 Millionen Liter Wasser wollen bewegt werden. Über Düsen im Boden gelangt das Wasser ins Becken und verdrängt überschüssiges Wasser sog- und drucklos in die Überlaufrinne. "Diese Vertikaldurchströmung ist neuester Stand der DIN-Normen“, freut sich Nehring. Beide Becken verfügen über separate Wasserspeicher, über die der Wasserstand mit Pumpen reguliert wird. Die Wasserrutschen in der Nähe des Mehrzwecksbeckens haben einen eigenen Kreislauf. Apropos Rutschen: Sie werden in einem mehrstufigen Ablauf gestartet, damit das Stromnetz nicht kollabiert.

Nachdem das Wasser das Becken verlassen hat, wird es gefiltert. Zwei Umwälzpumpen pro Becken, die mit Fasernfänger versehen sind, filtern Flusen, Haare und sonstigen groben Schmutz aus dem Wasser. In Filter- und Aufbereitungsanlagen wird das Wasser dann durch riesige, mit verschiedenen Kiesarten gefüllte Filter gepresst. Es wird mit einem Flockungsmittel versehen, um kleinere Verschmutzungen filtern zu können. Nach dem Filtern werden dem Wasser Chlorungsmittel beigegeben, auch der ph- und Redox-Wert sowie die Karbonathärte müssen stimmen. Digitale Messzellen überprüfen die Werte regelmäßig. Das Chloren geschieht als einziger Vorgang oberirdisch.

Hinter zwei verschlossenen Türen stehen acht 65 Kilogramm schwere Chlorgasflaschen für das Schwimmer- und Mehrzweckbecken im Freibad, vier weitere sind für die Hallenbecken und das Planschbecken. Vakuumpumpen regeln das geschlossene System. "Wir führen tägliche Kontrolllisten und tragen spezielle Schutzkleidung und -masken, wenn wir mit den Chemikalien arbeiten. Ein riesiger Aufwand, aber der muss nun einmal sein“, sagt Nehring. Zur Vorbeugung von Ernstfällen wird regelmäßig zusammen mit der Feuerwehr geübt. Wasserspeicher und Maschinen unterstehen ebenfalls einer regelmäßigen Überwachung und werden nach DIN-Normen gewartet. Nichts wird dem Zufall überlassen.

Durch den Einbau einer komplizierten Betriebswasser-Aufbereitungsanlage spart die Stadt immens viel Geld bei Wasser- und Kanalgebühren. Schließlich rechnet man normal mit mindestens 30 Litern Frischwasser pro Gast und Stunde, die benötigt werden, um eine regelmäßig gute Wasserqualität zu erhalten. Da kommt eine riesige Menge zusammen, wenn, wie im vergangenen Jahr an einem Tag im Juli 8000 Menschen ins Bad kommen. Auch in Sachen Wärmerückgewinnung setzt das Bad auf die neueste Technik und spart große Beträge. Die topmodernen Anlagen verdankt das Bad seiner fünfjährigen Sanierungsphase, die 2003 abgeschlossen wurde.


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