Weltberühmter deutscher Architekt Frei Otto ist tot

Posthum mit renommiertem Pritzker-Preis ausgezeichnet

Der deutsche Stararchitekt Frei Otto ist tot. Das teilte die Jury des renommierten Pritzker-Preises für Architektur mit, die die Auszeichnung in diesem Jahr posthum an Otto verlieh.

Das zeltartige Dach des Münchner Olympiastadions machte ihn weltberühmt: Der deutsche Stararchitekt Frei Otto ist tot. Der 89-Jährige sei bereits am Montag gestorben, sagte eine Sprecherin der Stadt Leonberg, wo der Architekt jahrezehntelang wohnte. Sie bestätigte damit Angaben der Jury des renommierten Pritzker-Preises für Architektur, über dessen Erhalt Otto kurz vor seinem Tod informiert wurde.

Der vielfach preisgekrönte Otto hatte nach Angaben der Stadt mehr als 45 Jahre lang im baden-württembergischen Leonberg gewohnt und war im Jahr 2000 zum Ehrenbürger ernannt worden. Geboren wurde Otto im sächsischen Siegmar, seine Schulzeit verbrachte er in Berlin. Nach Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft in Frankreich studierte er Architektur und bereiste Anfang der 50er Jahre zu Studienzwecken die USA. Schon kurze Zeit später machte er mit zeltartigen Konstruktionen von sich reden, die eine Art Markenzeichen werden sollten.

Gemeinsam mit Günther Behnisch entwickelte Otto die Dachkonstruktion des Münchner Olympiastadions, die ihn weltberühmt machte. Daneben gestaltete er zahlreiche Gebäude im In- und Ausland, unter anderem den deutschen Pavillon für die Weltausstellung Expo 1967 in Montreal und das Kongresszentrum in Mekka. Auch am Entwurf für die Umgestaltung des Stuttgarter Hauptbahnhofs war er beteiligt. In der baden-württembergischen Hauptstadt lehrte er auch von Mitte der 70er Jahre bis 1990 an der Universität. Mit seiner Familie lebte der seit 1952 verheiratete fünffache Vater in Leonberg-Warmbronn.

In seinem Heimatort besuchten ihn kurz vor seinem Tod Vertreter des Pritzker-Preiskomitees, um ihn von der Auszeichnung zu unterrichten, wie die Jury mitteilte. Otto habe sich sehr gefreut und sich bedankt. Der Architekt war als 40. Preisträger ausgewählt worden und erst der zweite Deutsche, der die begehrte Auszeichnung erhielt.

Die Jury würdigte Otto den Angaben zufolge als "Architekten, Visionär, Utopisten". Sie zog die offizielle Bekanntgabe ihrer Entscheidung wegen seines Todes um zwei Wochen vor. Die Nachricht vom Ableben des Architekten sei "sehr traurig", so etwas habe es in der Geschichte des Preises noch nie gegeben.

Otto habe beim Besuch des Preiskomitees erklärt, als Architekt habe er stets neue Gebäudearten entwerfen wollen, um armen Menschen vor allem nach Naturkatastrophen und anderen Katastrophen zu helfen. Er wolle die Zeit, die ihm noch bleibe, nutzen, um das zu tun, was er immer getan habe, nämlich der Menschheit zu helfen, wurde Otto zitiert.

Der Pritzker-Preis ist weltweit die renommierteste Architektur-Auszeichnung. Zusätzlich zu einer Bronzemedaille erhalten die Gewinner ein Preisgeld von 100.000 Dollar (72.300 Euro).

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