12.12.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Vielen geschützten Tiere in Deutschland geht es schlecht

Vielen geschützten Tiere in Deutschland geht es schlecht

Umweltministerin Hendricks stellt Bericht vor

Etwa ein Drittel der EU-weit geschützten Tierarten befindet sich in Deutschland in einem "schlechten Zustand".

Berlin - Das teilte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) in Berlin mit. Zu den Problemfällen zählen diverse Vogelarten, aber auch Schmetterlinge, Amphibien und Wanderfische. Schlecht gehe es auch etwa einem Drittel der geschützten natürlichen Lebensräume, besonders Wiesen und Weiden. Wälder hätten sich dagegen stabilisiert.

Hendricks mahnte ein Umdenken in der Landwirtschaft an, vor allem beim großflächigen Anbau sogenannter Energiepflanzen wie Mais für die Biogasproduktion. Die Umwandlung von vergleichsweise artenreichen Wiesen und Weiden in Monokulturen gilt als ein Hauptproblem beim Naturschutz. "So leiden viele Arten wie Schmetterlinge oder Bienen darunter, dass blütenreiche Wiesen in Maisäcker umgewandelt werden", sagte Hendricks.

Erneut sprach sich Hendricks für eine Begrenzung des Anbaus von Energiepflanzen aus. "Bereits heute wachsen auf mehr als 17 Prozent der deutschen Ackerflächen Energiepflanzen - das reicht." Ein Umsteuern in diesem Bereich ist Bestandteil der von der Bundesregierung geplanten Reform der Förderung erneuerbarer Energien.

Wiesen und Weiden müssten besser geschützt werden, mahnte die Ministerin. Sie verwies zugleich auf gewisse Erfolge beim Artenschutz in Deutschland. "Der Natur geht es in manchen Teilen besser. Wir haben zum Beispiel wieder mehr Wildkatzen oder Seeadler. Hier zeigt sich, dass im Naturschutz Erfolge möglich sind."

Die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN), Beate Jessel, verwies ebenfalls auf den Zusammenhang von Artenschutz und Landwirtschaft. "Der Natur in den Alpen und an den Felsküsten geht es überwiegend gut. Aber die landwirtschaftlich genutzten Lebensräume sind aus Naturschutzsicht überwiegend in einem schlechten Zustand", sagte sie mit Blick auf eine deutliche Abnahme von Grünland, die auch dort heimische Vogelarten gefährdet.

Naturschutz ist in Deutschland grundsätzlich Sache der Bundesländer. Aber auch der Bund könne und werde "einiges tun". sagte Hendricks. Das gelte besonders beim präventiven Hochwasserschutz, also etwa der Renaturierung von Flüssen sowie im Meeresnaturschutz.

Naturschutzverbände forderten bessere Schutzmaßnahmen und mehr Geld für entsprechende Programme. Zugleich kritisierten sie die industrielle Landwirtschaft als einen Hauptverantwortlichen für das Artensterben. "Die Landwirtschaft ist nach wie vor eine Problemzone des Naturschutzes", erklärte WWF-Vorstand Eberhard Brandes. Der Umweltverband BUND warf den Ländern Versagen vor. Ökolandbau etwa müsse vermehrt gefördert werden.

In ihrer Gesamtbewertung der Lage unterschieden sich die Verbände gleichwohl. Während der BUND in dem aktuellen Lagebericht "Licht und Schatten" fand und Fortschritte beim Schutz bestimmter Tiere feststellte, sprach der Deutsche Naturschutzbund (Nabu) von einem "Alarmsignal." Die Lage sei dramatischer als erwartet.

Für den Bericht hatten Behörden und Naturschützer bundesweit Daten zum Zustand von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen zusammengetragen, die durch europäische Richtlinien speziell geschützt sind. Laut Bundesumweltministerium kamen 12.000 Stichproben zusammen, die einen bisher einmaligen Datensatz zur Beurteilung der Gesamtlage der Natur darstellten.

(xity, AFP)


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