Verstummte Kometensonde "Philae" könnte aufgewacht sein

Chancen für Kontakt auf Komet Tschuri aber noch gering

Weckruf für die Kometensonde "Philae": Fünf Monate nach der spektakulären Landung auf dem Kometen Tschuri wollen Wissenschaftler ab Donnerstag versuchen, Kontakt mit der verstummten Forschungssonde aufzunehmen.

Weckruf für die Kometensonde "Philae": Fünf Monate nach der spektakulären Landung auf dem Kometen Tschuri wollen Wissenschaftler ab Donnerstag versuchen, Kontakt mit der verstummten Forschungssonde aufzunehmen. "Philae erhält zurzeit ungefähr doppelt so viel Sonnenenergie wie im November vergangenen Jahres", erklärte der Lander-Projektleiter Stephan Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Wahrscheinlich werde es zum Aufwachen noch zu kalt für "Philae" sein - "aber einen Versuch ist es wert. Die Chancen steigen mit jedem Tag."

"Philae" hatte sich am 12. November planmäßig von ihrer Muttersonde "Rosetta" gelöst und war auf die Oberfläche ihres Zielkometen 67P/Tschurjumov-Gerasimenko herabgesunken, den Wissenschaftler Tschuri nennen. Allerdings kam die kühlschrankgroße Sonde erst nach zwei Hüpfern und der leichten Berührung eines Felsbrockens abseits des ursprünglich vorgesehenen Landeplatzes zum Stehen. Da sie dort zu wenig Sonnenenergie erhält, waren ihre Batterien bereits nach 56 Stunden wissenschaftlicher Arbeit erschöpft.

Laut DLR müssen gleich mehrere Bedingungen erfüllt sein, damit "Philae" wieder in Betrieb geht. Zunächst muss es im Inneren der Sonde wärmer als minus 45 Grad Celsius werden. An ihrem Landeplatz bekommt die Sonde aber insgesamt vergleichsweise wenig Sonne - deshalb waren die Temperaturen bisher deutlich niedriger als notwendig.

Damit das Minilabor auf Tschuri aufwacht, muss "Philae" zudem über ihre Solarpaneele mindestens mit 5,5 Watt versorgt werden, wie das DLR weiter berichtete. Der Lander sei "so konstruiert, dass er seit November 2014 jedes bisschen Sonnenenergie dafür nutzt, sich aufzuheizen", erläuterte Koen Geurts vom DLR-Kontrollzentrum.

Sobald der Lander "merke", dass er mehr als 5,5 Watt Energie erhalte und seine eigene Temperatur über minus 45 Grad liege, schalte "Philae" sich ein, heize sich weiterhin auf und versuche zusätzlich, seine Batterie zu laden. Einmal aufgewacht, schaltet der Lander alle 30 Minuten seinen Empfänger ein und lauscht, ob er Signale seiner Muttersonde "Rosetta" aus der Umlaufbahn um den Kometen hört.

"Zu diesem Zeitpunkt wissen wir aber noch nicht, dass er wach ist", erklärte der DLR-Ingenieur Geurts. "Um uns eine Antwort zu schicken, muss Philae nämlich auch seinen Sender einschalten - und dafür benötigt er zusätzliche Energie." Es könne also sein, dass der Lander zwar in 500 Millionen Kilometern Entfernung bereits aus seinem Winterschlaf aufgewacht sei, seine Kraft aber noch nicht ausreiche, um sein Team auf der Erde darüber zu informieren.

Zunächst bis Freitag nächster Woche wird "Rosetta" den Lander anfunken und auf eine Reaktion horchen. "Sollten wir bis zum 20. März keinen Kontakt zu 'Philae' aufbauen können, werden wir dies bei der nächsten Gelegenheit wiederholen", erläuerte "Philae"-Projektleiter Ulamec.

Nach zehnjähriger Reise durch das Sonnensystem hatte die "Rosetta"-Sonde mit "Philae" huckepack im vergangenen August den Kometen erreicht.

© 2015 AFP