19.10.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Verschlechterungen im Gesundheitssystem erwartet

Verschlechterungen im Gesundheitssystem erwartet

Furcht vor Personalnot und Zwei-Klassen-Medizin

Ärzte in Sachsen und Thüringen sollen AOK-Patienten künftig nur noch Wirkstoffe statt bestimmter Medikamente verschreiben.

Berlin - Patienten und Ärzteschaft bewerten das deutsche Gesundheitswesen überwiegend positiv, erwarten für die Zukunft aber deutliche Verschlechterungen. Das geht aus einer Studie des Finanzdienstleisters MLP und des Instituts für Demoskopie Allensbach hervor, die in Berlin vorgestellt wurde. Viele Befragten befürchten demnach steigende Kosten etwa für Krankenhausbehandlungen. Zudem sorgen sie sich um die Schließung von Kliniken, verschärfte Personalnot und eine Zwei-Klassen-Medizin.

Etwa vier von fünf Deutschen (79 Prozent) bewerten das Gesundheitssystem derzeit als gut oder sehr gut. Wartezeiten bleiben für viele aber ein Ärgernis. Rund jeder Zweite beklagt eine langwierige Terminvergabe und zwei Drittel monieren zu langes Herumsitzen im Wartezimmer. Vor allem die gesetzlich Versicherten sind unzufrieden. Pläne der Koalition, wonach eine zentrale Terminvergabestelle binnen vier Wochen einen Termin beim Facharzt vermitteln soll, unterstützen indes 45 Prozent der Bevölkerung. Jeder Dritte lehnt dies ab. In der Ärzteschaft stoßen die Pläne ohnehin auf großen Widerstand.

Angesichts steigender Ausgaben und bereits bestehender Personalengpässe erwartet mehr als ein Drittel der Patienten und fast zwei Drittel der Ärzte in den nächsten zehn Jahren eine qualitativ schlechtere Versorgung. Die Mehrheit geht sogar davon aus, dass die Kassen künftig nur noch eine medizinische Grundversorgung zahlen und Patienten viele Kosten, etwa für Operationen, selbst tragen müssen. Mehr als zwei Drittel erwarten daher eine Zwei-Klassen-Medizin. Zudem rechnen rund drei Viertel der Bevölkerung mit steigenden Beiträgen zur gesetzlichen Krankenversicherung.

Auch für die Krankenhäuser zeichnet die Umfrage eher ein trübes Zukunftsbild. Rund sechs von zehn Bürgern sind überzeugt, dass die Klinikärzte sich in Zukunft weniger Zeit für ihre Patienten nehmen können. Mehr als drei Viertel der Bevölkerung glauben gar, dass sich die Versorgung nur mit mehr ausländischen Ärzten aufrechterhalten lässt.

Auch viele Krankenhausärzte berichten aufgrund der wirtschaftlichen Situation schon heute von teils massiven Problemen. Zwei Drittel geben an, aus Kostengründen bereits Behandlungen verschoben zu haben. 79 Prozent sehen ihre Therapiefreiheit eingeschränkt. Für den Gesundheitsreport wurden rund 2100 Bürger und mehr als 500 Ärzte befragt.

(xity, AFP)


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