Verbraucherschützer hält Versicherungspflicht gegen Extremwetter für denkbar

Klaus Müller fordert Versichertenquote von 80 Prozent

Angesichts zunehmender Extremwetterschäden hält der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), Klaus Müller, eine Pflichtversicherung für Hausbesitzer für notwendig - sofern sich künftig nicht deutlich mehr Hausbesitzer freiwillig versichern.

Angesichts zunehmender Extremwetterschäden hält der Chef des Bundesverbands der Verbraucherzentralen (vzbv), Klaus Müller, eine Pflichtversicherung für Hausbesitzer für notwendig - sofern sich künftig nicht deutlich mehr Hausbesitzer freiwillig versichern. Aktuell besäßen 47 Prozent der Hausbesitzer eine Elementarschaden-Versicherung, sagte Müller den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Montagsausgabe). "Diese freiwillige Quote muss dringend auf mindestens 80 Prozent erhöht werden", forderte er.

Als Elementarschäden werden solche Schäden bezeichnet, die durch die Natur hervorgerufen werden. Neben Hochwasser gehören dazu zum Beispiel auch Hagel, Stürme, Erdbeben und Vulkanausbrüche.

Die Verbraucherzentralen schlagen vor, dass in der Wohngebäudeversicherung künftig die Option einer sogenannten Allgefahrenabwehr automatisch angeboten wird. "Damit wird den Hausbesitzern klar gemacht, wie groß die Risiken sind", sagte Müller. Hausbesitzer sollten die Option jedoch abwählen können, damit es keine verfassungsrechtlichen Probleme gäbe.

"Eine Pflichtversicherung für alle Hausbesitzer wäre ein tiefer Eingriff in die Grundrechte", sagte Müller. Die Gefahr bestehe, dass eine Versicherungspflicht höchstrichterlich gekippt werden könnte. Vor dem Hintergrund des Karlsruher Klimaschutzurteil sei jedoch eine Versicherungspflicht durchaus gerechtfertigt.

"Sollte sich zwei Jahre nach Einführung der Allgefahrenabdeckung herausstellen, dass die Verbreitung der Absicherung nicht mindestens 80 Prozent erreicht, wird die Einführung einer Versicherungspflicht notwendig", sagte Müller. Allerdings sollten die Kosten für die Versicherung nicht auf Mieter umgelegt werden können, forderte der Verbraucherschützer. "Ich möchte nicht, dass die Mieterinnen und Mieter in Berlin oder im Ruhrgebiet die Hausbesitzer in Sachsen oder Baden-Württemberg quersubventionieren".

Bei den schweren Überflutungen in Nordrhein-Westfalen und im Nachbarland Rheinland-Pfalz starben Mitte Juli mehr als 180 Menschen, ganze Ortschaften wurden verwüstet. Angesichts der Schäden war eine Diskussion über Pflichtversicherungen gegen Elementarschäden entbrannt. Unterstützung für den Vorschlag kommt von Linken und SPD. Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) lehnt eine Pflichtversicherung hingegen ab.

© 2021 AFP