18.08.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Urdenbacher Altrhein sucht sich ein neues Bett

Urdenbacher Altrhein sucht sich ein neues Bett

Wanderwege ab Freitag wieder geöffnet

Das Projekt "Naturnahe Entwicklung der Altrheinaue in der Urdenbacher Kämpe" ist jetzt abgeschlossen worden.

Düsseldorf - Um dem Urdenbacher Altrhein wieder eine natürliche Entwicklung zu ermöglichen, wurde in diesem Zuge der Deich in der Urdenbacher Kämpe an zwei Stellen geöffnet. Der Altrhein sucht sich nun ein neues Bett: "Bei Flussrenaturierungen wird in der Regel ein neues Flussbett vorgegeben. Hier in der Urdenbacher Kämpe dagegen darf sich der Altrhein sein Bett eigenständig suchen und gestalten. Das ist eine ökologische Besonderheit und wird ein spannender Vorgang ", erklärte die Gründezernentin der Landeshauptstadt Düsseldorf, Helga Stulgies, am Dienstag, 1. April 2014.
Die Gesamtkosten für die Umsetzung liegen bei rund 1,78 Millionen Euro. Die Erdbauarbeiten haben im August 2013 begonnen und sind jetzt fertig. Projektbeteiligte sind neben der Landeshauptstadt die Bezirksregierung, die NRW-Stiftung, der Bergisch-Rheinische Wasserverband (BRW), die Biologische Station Haus Bürgel und das Ingenieurbüro Stötzel und Neeb. Bereits seit den 1990er-Jahren kauften die NRW-Stiftung und die Landeshauptstadt Düsseldorf im Bereich der Kämpe insgesamt 150 Hektar Flächen. Aufgrund dieses vorausschauenden Grunderwerbs bietet sich in der Urdenbacher Kämpe die landesweit einmalige Gelegenheit, auf einer Strecke von 2,5 Kilometern ein dem Leitbild entsprechendes typisches Niederungsgewässer wieder herzustellen. Dieser Gewässertyp existiert in Nordrhein-Westfalen nicht mehr.
An den tiefsten Stellen im Gelände, im heutigen Baumberger Graben, wird ein flaches Niederungsgewässer entstehen. Es wird dort in der nahen Zukunft Sand- und Schlammbänke geben und Wasserpflanzen werden sich ansiedeln. Ein vergleichbarer Gewässertyp mit diesen Eigenschaften und dem charakteristischen Wechsel von langsam und schnell durchflossenen Abschnitten existiert gegenwärtig in Nordrhein-Westfalen nicht mehr. Im entstehenden Gewässerverlauf werden Querwälle aus Lehm und Totholz angelegt, um den Wasserabfluss zu verlangsamen, bis sich der natürliche Zustand eingestellt hat. Im Ergebnis wird ein außerordentlich lebendiger und vielfältiger Fließgewässerabschnitt erwartet. Nach rund 2,5 Kilometer Fließstrecke wird der Altrhein durch eine zweite Deichöffnung in Höhe der heutigen Mündung des Baumberger Grabens zurückgeleitet.
Ein durch das Gebiet führender Wanderweg ermöglicht Naturliebhabern die Betrachtung der Landschaft. Der Weg wurde im Zuge der Bauarbeiten deutlich aufgewertet. Ab Freitag, 4. April, wird er wieder begehbar sein. Zwei neue Brücken über die Deichöffnungen ermöglichen wechselnde Perspektiven auf den Urdenbacher Altrhein. Die Brücke in Urdenbach hat eine Spannweite von 19 Metern und ist 18 Tonnen schwer, die Brücke in Hellerhof weist eine Spannweite von 21 Metern auf und hat ein Gewicht von 20 Tonnen. Beide Brückenbauwerke wurden in Stahlbauweise mit Holzbohlenauflage und Holzgeländer konzipiert. Für sämtliche Holzteile wurde europäisches Lärchenholz verwendet. Für Verschraubungen sämtlicher Holzelemente sind ausschließlich Edelstahlverbindungen eingesetzt worden. Zur Minimierung der Rutschgefahr ist die Oberfläche der Bohlen geriffelt. An der neuen Brücke über den Altrhein in Hellerhof schließt sich eine Aussichtsplattform an. Diese "Auenaussicht" besteht aus einem 14 Meter langen Steg und einem Aussichtspodest. Auch die Plattform ist aus Lärchenholz hergestellt worden. 13 Tonnen schwer ist der Aussichtspunkt und weist eine fünfeinhalb Meter lange Sitzgelegenheit auf.
Ein Ziel des Projektes war es von Anfang an, die Erholungssuchenden auch näher an das Gewässer heranzuführen, damit sie langfristig die dynamischen Entwicklungen aus möglichst großer Nähe selber beobachten und sich neue Naturerlebnisse erschließen können. Gerade an der Überleitung des Altrheins in seine "neue" Aue ist mit einer interessanten Entwicklung zu rechnen, etwa Anlagerungen und Erosionen, mit denen das Gewässer sich ein neues Bett schafft, oder die Ansiedlung von Pflanzen- und Tierarten.

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