Union und SPD uneins über epidemische Lage von nationaler Tragweite

Spahn gegen Verlängerung - Scholz dafür

Union und SPD sind uneins in der Frage einer Verlängerung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite. Die SPD ist dafür, CDU-Bundesgesundheitsminister Spahn wendet sich gegen eine Verlängerung.

Union und SPD sind uneins in der Frage einer Verlängerung der epidemischen Lage von nationaler Tragweite. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sprach sich einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Donnerstag im Bundestags-Gesundheitsausschuss gegen ein Weitergelten der Notlage aus, Vizekanzler Olaf Scholz befürwortet das hingegen.

Spahn sagte dem RND zufolge bei einer Sondersitzung des Ausschusses am Mittwoch, aus seiner Sicht seien alle nötigen Anschlussregelungen für den Fall des Auslaufens bereits getroffen worden. Auch bei Ressortabstimmungen innerhalb der Regierung seien keine weiteren Regelungen genannt worden, für die eine Fortsetzung der Pandemie-Notlage nötig sei, sagte der Gesundheitsminister dem Bericht zufolge nach Angaben von Teilnehmern.

Sollten weitere Maßnahmen nötig sein, könnten diese auf Länderebene beschlossen werden, habe Spahn weiter gesagt. Ein Auslaufen des Notlage-Status habe er dabei als "politisches Signal" bezeichnet. Auch der Vorsitzender des Gesundheitsausschusses des Bundestages, Erwin Rüddel (CDU), sagte der "Bild"-Zeitung: "Die epidemische Lage muss nicht verlängert werden, kann einfach auslaufen."

"Die so genannte epidemische Lage von nationaler Tragweite, auf der unsere Corona-Politik fußt, ist gebunden an eine mögliche Überlastung unserer Krankenhäuser", sagte Rüddel. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass sich die Lage noch einmal so dramatisch verändert, "dass die Überlastung des Gesundheitswesens droht". Damit entfalle die Begründung für eine Verlängerung.

Demgegenüber hatte sich SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz dafür ausgesprochen, die Ende September auslaufende Pandemie-Notlage zu verlängern. "Das wird sein müssen, wenn man mich fragt", sagte Scholz bei einer RND-Veranstaltung. Nötig seien weiterhin bestimmte Regeln zum Schutz vor Corona. "Und dafür brauchen wir einen rechtlichen Rahmen", betonte er. Es müssten "ein paar Vorsichtsregeln noch eine lange Zeit beibehalten" werden. Dazu zähle beispielsweise das Masken-Tragen etwa im öffentlichen Verkehr.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach sich wegen der steigenden Corona-Infektionen dafür aus, die epidemische Lage von nationaler Tragweite bis Ende des Jahres zu verlängern. "Die vierte Welle beginnt und verschwindet nicht von allein", sagte er dem RND.

Die vom Bundestag beschlossene epidemische Notlage läuft Ende September aus - wenn sie bis dahin nicht verlängert wird. An die Feststellung sind eine Reihe von Anti-Corona-Maßnahmen gekoppelt.

© 2021 AFP