„Vom Ursprung zum Ursprung“

Die neue Kita Nordshausen

Die Stadt Kassel hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden.

Kassel - Die Stadt Kassel hat sich das Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden. Diesem Ziel haben sich auch ihre 100prozentigen Konzerntöchter, die Stadt Kassel Immobilien GmbH & Co. KG (SKI) und die GWG Projektentwicklungsgesellschaft (GWGpro), für die Umsetzung ihrer Projekte verschrieben.
Die SKI hat die GWGpro mit dem Bau verschiedener Bildungsstätten beauftragt. Hierzu zählt auch der Bau der neuen Kita Nordshausen. „Hier wird ein zukunftsfähiges städtisches Gebäude entstehen, das nicht nur einen wichtigen Baustein beim Ausbau der Kindertagesbetreuung darstellt, sondern auch einen innovativen Beitrag auf dem Weg hin zur klimaneutralen Stadt leistet“, erklärt Oberbürgermeister Christian Geselle.

So wurde der Fokus beim Bau der Kita Nordshausen auf die Umsetzung der Nachhaltigkeitskriterien des Cradle to Cradle® Prinzips gelegt. Für die Umsetzung dieser anspruchsvollen Aufgabe hat sich die GWGpro mit dem international tätigen Forschungs- und Beratungsinstitut EPEA einen Experten an die Seite geholt. Nora Sophie Griefahn (geschäftsführende Vorständin und Mitgründerin von Cradle to Cradle NGO) lobt die Herangehensweise der Stadt Kassel und ihrer Gesellschaften: „Cradle to Cradle® ist der richtige Ansatz, um Kommunen zukunftsfähig zu gestalten und wir freuen uns, dass Kassel sich in der kommunalen Entwicklung und im öffentlichen Bau davon inspirieren lässt. Mit der Kita Nordshausen zeigt die Stadt, was heute bereits alles möglich ist, um gesunde Räume zu schaffen, die einen Mehrwert für Mensch und Umwelt haben."

Einbindung lokaler Lieferanten erfreut die Ökobilanz

Die Ergebnisse der ökobilanziellen Analyse fallen positiv aus: So ist die Kita im Betrieb CO2 neutral und über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg sogar klimapositiv. Bei der ökobilanziellen Analyse werden die geplanten Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus untersucht und ausgewertet. Beim Bau der Kita wurde mit der Holzmassiv-Bauweise eine sehr ökologische und recyclingfähige Konstruktion gewählt, welche CO2 auf natürliche Weise im Gebäude bindet. Die Verwendung lokaler Materialien und Lieferanten reduziert Transportwege. Der Strombedarf wird durch CO2 neutralen „Naturstrom – Regional“ der Städtische Werke AG Kassel, also Ökostrom aus Windkraft, gedeckt und für die Spitzenlastdeckung wird CO2 neutrales „Naturgas“ verwendet. Darüber hinaus liefert Photovoltaik Strom und Wärme für warmes Wasser. Zertifizierte Produkte tragen dazu bei, dass Luftschadstoffe reduziert und eliminiert werden.

480 Tonnen CO2 allein beim Bau gespart

Durch die innovativen baulichen Maßnahmen, wie unter anderen dem Einsatz von recycelbaren und zertifizierten Materialien, konnten allein in der Errichtung der neuen Kita 73 Prozent des CO2-Ausstoßes gegenüber dem Referenzwert eines durchschnittlichen Gebäudes dieser Größe der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB e.V.) gespart werden. Das entspricht etwa 480 Tonnen CO2. Zum Vergleich: Diese Menge entsteht durch 4,5 Millionen Kilometer mit dem Auto oder mehr als 2.000 Flügen zwischen Kassel und Mallorca. Peter Ley, Geschäftsführer der GWGpro, resümiert: „Die neue Kita Nordshausen ist regional das erste Gebäude, welches nach den Nachhaltigkeitsprinzipien von C2C errichtet wurde. Wir freuen uns, dass wir mit unseren exzellenten Partnern ein städtisches Gebäude bauen durften, das ganz vorne in der Nachhaltigkeitsliga mitspielt. Wir wünschen den Kindern viel Spaß beim Entdecken und Erleben ihrer neuen Kita“

Nachhaltig Bauen – Die Nachhaltigkeitskriterien nach Cradle to Cradle®

Cradle to Cradle® (engl. „Von Wiege zu Wiege“, sinngemäß „vom Ursprung zum Ursprung“) ist ein Ansatz für eine durchgängige und konsequente Kreislaufwirtschaft. Hierbei wird eine Immobilie nicht nur über ihren Lebenszyklus betrachtet, sondern auch über diesen hinaus. Die verwendeten Materialien, können entweder als biologische Nährstoffe in biologische Kreisläufe zurückgeführt oder als technische Nährstoffe kontinuierlich in technischen Kreisläufen gehalten werden und landen folglich nach dem Ende ihrer Nutzungsdauer nicht auf der Müllhalde, sondern können getrennt wiederverwendet werden. Das Gebäude bildet somit das Rohstoffdepot der Zukunft. Hierfür werden folgende Bereiche in einem sogenannten C2C Pre Check® bereits in der Vorplanung der Gebäude untersucht und auf Verbesserungspotentiale geprüft:

Materialgesundheit und -herkunft
Materialverwertung und Rückbaubarkeit
Nutzung erneuerbarer Energien
Um die Potentiale von Materialgesundheit, -Herkunft und Recyclingfähigkeit zu fassen wird ein Building Circularity Passport® (BCP) (dt.: Gebäuderessourcenpass) erstellt. Dieser dient als Planungs- und Dokumentationsinstrument, um in Zusammenarbeit mit Architekten, allen Planungsdisziplinen sowie den Bauunternehmen die Recyclingfähigkeit des Gebäudes zu gewährleisten. Der BCP liefert zusätzlich detaillierte Informationen darüber, welche Materialien getrennt werden können sowie über die chemische Zusammensetzung der verwendeten Produkte.