„Führer, wir gehören dir“ ab 30. Januar 2022

Ausstellung über Jugend in der NS-Zeit

Das Kreisarchiv des Märkischen Kreises richtet eine neue Ausstellung aus: „Führer, wir gehören dir“.

Lüdenscheid - Das Kreisarchiv des Märkischen Kreises richtet eine neue Ausstellung aus: „Führer, wir gehören dir“. Die Ausstellung läuft ab dem 30. Januar im Geschichtsmuseum der Stadt Lüdenscheid. Thema ist die Zeit des Nationalsozialismus im Märkischen Kreis aus der Perspektive junger Menschen.

Spielzeuge wie ein silbernes Flugzeug aus Blech, Schulzeugnisse, ein Ausweis der Hitlerjugend oder ein Leistungsbuch mit Sportabzeichen – Objekte und Dokumente, die die Geschichte junger Menschen zur Zeit des Nationalsozialismus im Märkischen Kreis erzählen. Sie sind Teil der neuen Ausstellung „Führer, wir gehören dir“ vom Kreisarchiv des Märkischen Kreises. Ab 30. Januar sind etwa 500 Exponate im Geschichtsmuseum der Stadt Lüdenscheid zu sehen.

Bis zur Eröffnung der Ausstellung laufen hinter den Kulissen des Museums die letzten Vorbereitungen. „Die Vitrinen sind schon fast alle bestückt, die Fototapeten sind angebracht – es kann fast losgehen. Wir müssen nur noch die Lichter ausrichten und die Vitrinen reinigen“, erzählt Heye Bookmeyer von der Landeskundlichen Bibliothek des Märkischen Kreises. Zuletzt hat er eine Vitrine mit Spielzeugen wie einem roten Blechauto und Spielkarten gestaltet. In einer anderen Ecke der Ausstellung hat er ein Schießbuch mit Trainingsplan und ein Leistungsbuch mit Sportabzeichen ausgelegt.

„Es sind Beispiele für Dokumente, mit denen wir persönliche Geschichten erzählen wollen. Sie klären die Frage: Wie haben junge Menschen im Märkischen Kreis die NS-Zeit erlebt? Wie wurden sie manipuliert und dazu gebracht, dem Regime zu gehorchen?“, sagt Heye Bookmeyer.

Leihgaben von Menschen aus dem Märkischen Kreis

Antworten geben neben den Dokumenten aus dem Kreisarchiv Leihgaben von Menschen aus dem Märkischen Kreis. „Das war uns sehr wichtig. Die Fundstücke rücken den Lokalbezug nochmals in ein besonderes Licht und die Zeit der Jugend im Nationalsozialismus bekommt heimische Gesichter“, berichtet Heye Bookmeyer. Er zeigt auf ein Geschütz im Miniaturformat. „Ein Symbol für die Geschichte eines Jugendlichen aus dem Märkischen Kreis, der später als Luftwaffenhelfer der Hitlerjugend eingesetzt wurde. Aus dem Spielzeug wurde Lebenspraxis“, sagt Heye Bookmeyer. Auch weitere Schicksale wie die Kinderlandverschickung, bei der Jugendliche aus dem Märkischen Kreis als Erzieher verpflichtet wurden, werden im Hauptraum der Ausstellung dargestellt. Die Besucherinnen und Besucher können hier chronologisch durch die Themenbereiche Weimarer Republik, Schulzeit, Dienst am Volk und Kriegszeit reisen.

In Nebenraum der Ausstellung stehen die Propaganda und mediale Beeinflussung der Bevölkerung im Fokus. Plakate, zum Beispiel mit der Aufschrift „Baut Jugendherbergen und Heime auf“ oder „Die kommende Generation klagt an“, geben weitere Einblicke vom Leben junger Menschen in der NS-Zeit. Bookmeyer: „Solche Dokumente zeigen beispielhaft, wie die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei eine ganze Generation manipulierte.“ Hierzu gehörten nicht zuletzt auch Sammelaktionen und der Verkauf von Winterhilfswerk-Aufklebern durch die Jugendlichen. Auch das Thema Sparen wird anhand von Plakaten visualisiert.

Historische Filmaufnahmen

Digitale Angebote runden die Ausstellung ab. Dazu gehören historische Filmaufnahmen aus einer Schule in Plettenberg. Zeitgenössische Filmszenen sollten Schulkinder davon überzeugen, dass Sparen wichtig ist. „Hier sind Kinder als Schauspieler dabei. Ein weiteres Beispiel dafür, wie die Jugend von klein auf in den Sog der Ideologie des Nationssozialismus geriet.“

Seit Sommer 2020 hat das Team um Kreisarchivarin Dr. Christiane Todrowski, Ulrich Biroth, Franziska Müller und Heye Bookmeyer die Ausstellung vorbereitet. „Coronabedingt hat sich die Präsentation immer wieder verzögert. Umso mehr freuen wir uns, dass es am 30. Januar endlich losgeht. Die Besucherinnen und Besucher erwartet eine Reise durch die Geschichte der Jugend zur NS-Zeit aus verschiedenen Perspektiven. Besonders wichtig dabei: der Bezug zum Märkischen Kreis“, beschreibt Heye Bookmeyer.

Die Ausstellung im Geschichtsmuseum der Stadt Lüdenscheid (Sauerfelder Str. 14 - 20, 58511 Lüdenscheid) läuft vom 30. Januar bis zum 29. Mai 2022. Am Eröffnungstag, 30. Januar, findet ein Soft Opening statt. Von 11.00 bis 18.00 Uhr können die Besucherinnen und Besucher die Ausstellung individuell besuchen. In der Zeit von 14.00 bis 18.00 Uhr ist das Ausstellungsteam vor Ort und lädt zu Gesprächen ein. Öffnungszeiten des Museums sind mittwochs bis sonntags, jeweils von 11.00 bis 18.00 Uhr. Öffentliche Führungen durch die Ausstellung sind am 6. März, 3. April und 8. Mai jeweils um 15.00 Uhr geplant. Eine Anmeldung ist erforderlich unter Telefon: 02351 17-1496 oder unter E-Mail: museen@luedenscheid.de.

Begleitend zur Ausstellung wird ab März eine Vortragsreihe angeboten. Informationen hierzu werden auf der Internetseite des Märkischen Kreises unter www.maerkischer-kreis.de und der Homepage des Geschichtsmuseums der Stadt Lüdenscheid unter www.t1p.de/60uu bekannt gegeben.