„App gegen das Vergessen“

Ahlener Stolpersteine werden digitalisiert

Sie sind Teil des größten dezentralen Denkmals der Welt: Die rund 14.000 Stolpersteine in Nordrhein-Westfalen.

Ahlen - Die rund 14.000 Stolpersteine in Nordrhein-Westfalen stehen im Mittelpunkt einer neuen multimedialen WDR-App, die im Herbst veröffentlicht werden soll. Hinter jedem einzelnen dieser Steine des Künstlers Gunter Demnig verbirgt sich ein Leben, ein Schicksal. Mit Hilfe der App sollen der Lebens- und der Leidensweg dieser Menschen erlebbar gemacht werden. Teil der Dokumentation ist auch Ahlen. Seit 2008 sind hier in mehreren Verlegerunden weit über 100 Gedenksteine für die Opfer des Nationalsozialismus in das Straßenpflaster eingelassen worden.

Anfang 2020 hatte der WDR zu allen NRW-Kommunen, in denen seit 1992 die Messingtafeln in den Bürgersteigen verlegt worden sind, Kontakt aufgenommen und zur Kooperation aufgerufen. „In den letzten Monaten habe ich Daten von etwa 160 Ahlener Opfern des Nationalsozialismus eingegeben und Texte für die App geschrieben. Jugendliche haben mir bei der Erfassung der Geodaten geholfen“, so der städtische Mitarbeiter Manfred Kehr. Dazu kamen einige landesweite Zoom-Konferenzen.

Für Bürgermeister Dr. Alexander Berger ist das Projekt wichtig, um die Erinnerungskultur weiter zu entwickeln. So dürften sich vor allem jüngere Menschen mit der WDR-App auf ganz neue Weise mit den Opfern des Nationalsozialismus beschäftigen können. Für die Stadt Ahlen sei es keine Frage gewesen, die App zu unterstützen. Stefan Domke, Projektleiter im WDR: „Ohne das vielfältige Wissen und die jahrelange Vorrecherche der Expertinnen und Experten vor Ort, wäre ein Projekt dieser Größenordnung gar nicht möglich. Zusammen mit Initiativen, Archiven und Aktionsbündnissen sammeln wir erstmals das Material an einem Ort und bereiten es multimedial auf.“

Hintergrund:

Das Angebot soll ab Herbst unterschiedlich genutzt werden können: Mit der App sollen Smartphone-Nutzende direkt zu jedem Stein, vor dem sie stehen, erfahren können, welche Geschichte sich dahinter verbirgt. Zum anderen lassen sich Stolpersteine gezielt finden – auf der Basis von Namen oder Adressen. Außerdem soll es eine Internetseite mit einer umfangreichen Datenbank und verschiedenen Filtereinstellungen möglich machen, sich die Geschichte der Opfer des Nationalsozialismus auch am PC zu erschließen.

Neben biographischen Texten, die teilweise auch als Audio zur Verfügung stehen, dienen historische Fotos, Tonaufnahmen und Videos dazu, die Geschichten der Opfer, ihrer Wohnorte und ihrer Zeit, so gut wie möglich nachvollziehbar zu machen. An ausgewählten Orten werden, mit Hilfe von Augmented Reality, alte Aufnahmen in die heutige Umgebung eingebettet.