12.12.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> 'So viel Zeit' thematisiert die Diagnose Krebs

'So viel Zeit' thematisiert die Diagnose Krebs

Jan Josef Liefers erfüllt sich den letzten Wunsch

20 Jahre nach "Knockin' On Heaven's Door" erfüllt sich Jan Josef Liefers erneut seinen letzten Wunsch.

Düsseldorf - Launig sollte der Film werden und so wird die Krebsdiagnose in "So viel Zeit" gleich wie der erste Gag vorgetragen. Wäre gar nicht nötig gewesen, Rainer (Jan Josef Liefers) hatte doch schon ohne Hilfe seiner Ärztin sein Leben reichlich vergeigt. Da sein Sohn ihn als unzuverlässig bis egozentrisch empfindet, könnte man vom klassischen Loser sprechen. Richtig Positives hat sich nicht mehr getan, seit der Musiker vor 30 Jahren den wichtigsten Gig seiner Band Bochums Steine ruinierte. Doch jetzt, am Abgrund, ist ihm danach, alle wieder zusammenzutrommeln. Unlösbare Aufgaben eignen sich perfekt für die letzten Tage.

Zahnarzt Bulle (Armin Rohde), Lehrer Konni (Matthias Bundschuh), Vorstadt-Casanova Thomas (Richy Müller) und vielleicht auch Sänger Ole (Jürgen Vogel) müssen abgeklappert werden. Die haben ihrem Gitarristen Rainer nie verziehen und sind ihrerseits in unterschiedlichen Sackgassen steckengeblieben. Um das Comeback von Bochums Steine voranzutreiben, spricht Rainer gleich mal direkt beim damaligen Manager (André M. Hennicke) vor und ist natürlich nicht ganz ehrlich. Wäre ja sonst zu langweilig. Also los, rauf auf die Autobahn der letzten Wünsche.

Wer den gleichnamigen Roman gelesen hat, merkt schnell, dass die Gemeinsamkeiten zwischen Film und dem Buch von Frank Goosen ("Liegen Lernen") rudimentär sind. Regisseur Philipp Kadelbach (inszenierte die ZDF-Serie "Parfum" und den Mehrteiler "Unsere Mütter, unsere Väter") stellt die - eigens komponierte - Musik und Männerfreundschaft ins Zentrum, zumindest kurzfristig. Sein Personal besteht aus Sympathieträgern, neben Dreh- und Angelpunkt Liefers fällt der wunderbar subtile Matthias Bundschuh auf, während die anderen ihre Rollen im Vorbeigehen spielen.

Richtig Spaß dürfte André M. Hennicke gehabt haben, denn er ist endlich mal nicht der Psychopath und Durchgeknallte, sondern entfleucht seinem typischen Rollenprofil und darf als skurriler Bandmanager feinste Verkleidungsorgien erleben. Sehr gelungen ist die Besetzung der Frauen. Mit Alwara Höfels ("Fack ju Göhte"), Laura Tonke ("Zwei im falschen Film") und Jeanette Hain ("Werk ohne Autor") hat Kadelbach drei der interessantesten Frauen im Filmgeschäft beschäftigt, allerdings gibt er ihnen kaum Arbeit.

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