16.10.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Umweltministerium drängt auf Abschaltung des Akw Fessenheim

Umweltministerium drängt auf Abschaltung des Akw Fessenheim

Sprecher stuft Vorfall als "ernst" ein

Nach Berichten über einen Störfall im umstrittenen elsässischen Atomkraftwerk Fessenheim im April 2014 hat die Bundesregierung erneut die Abschaltung des Meilers verlangt.

Berlin - Deutschland fordere schon seit mehreren Jahren die Stilllegung des ältesten französischen Reaktors, sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums am Freitag in Berlin. Die Bundesregierung könne aber nicht die Betriebszeiten eines Atomkraftwerkes in einem anderen Land beeinflussen.

Der Sprecher verwies darauf, dass der Vorfall von 2014 in der deutsch-französischen Sicherheitskommission zur Sprache gekommen sei. Insofern sei der "ernste" Vorfall nicht neu. "Für uns sind solche alten Reaktoren ein Sicherheitsrisiko." Er fügte hinzu: "Wir transportieren die Sorgen und Ängste der Bevölkerung immer wieder in diese Kommission hinein." Frankreich sei gefordert, über diesen Vorgang zu berichten.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuvor berichtet, ein Reaktor in Fessenheim habe sich im April 2014 vorübergehend nicht mehr richtig steuern lassen. Eine Überschwemmung habe damals eine "Abfolge von technischem Versagen und Chaos" nach sich gezogen, schrieb das Blatt unter Berufung auf gemeinsame Recherchen mit dem Westdeutschen Rundfunk. Es sei festgestellt worden, dass das Wasser auch in Schaltschränke gelaufen sei.

Dadurch sei offenbar eines der beiden parallelen Sicherheitssysteme außer Gefecht gesetzt worden, berichtete die Zeitung weiter. Das einberufene Krisenteam habe darum entschieden, den Reaktor abzuschalten. Am Ende wurde der Meiler dem Bericht zufolge per Einleitung von Bor in das Kühlsystem heruntergefahren. In der Mitteilung der französischen Atomaufsicht sei von einer solchen Maßnahme allerdings nicht die Rede gewesen.

Dazu sagte der Sprecher des Bundesumweltministeriums, die Bor-Zugabe sei "nicht als alleiniges Mittel der Notabschaltung eingesetzt worden". Der Reaktor hätte im Notfall abgeschaltet werden können, das Bor sei nur "als Vorsorgemaßnahme hinzugefügt worden".

Nach den jüngsten Medienberichten werde das Ministerium der Sache noch einmal auf den Grund gehen, sagte der Sprecher weiter. Die französische Seite habe den Vorfall als "nicht so hoch" eingestuft, wie er in Medien dargestellt worden sei. "Das ist aus unserer Sicht gerechtfertigt gewesen, weil der Reaktor in jedem Fall hätte heruntergefahren werden können", betonte der Sprecher.

Die beiden Reaktoren in Fessenheim wurden 1977 in Betrieb genommen und sind damit die ältesten in Frankreich. Atomkraftgegner und Politiker in Frankreich, Deutschland und der ebenfalls nahe gelegenen Schweiz fordern seit langem die Stilllegung des besonders pannenanfälligen Atomkraftwerks.

Frankreichs Präsident François Hollande hatte wiederholt versprochen, die am Oberrhein gelegene Anlage noch in seiner bis Mai 2017 laufenden Amtszeit vom Netz zu nehmen. Immer wieder werden aber Zweifel daran laut, dass dies auch wirklich geschehen wird.

(xity, AFP)


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