18.10.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Ukrainer schildert in Berlin drastische Folterszenen

Ukrainer schildert in Berlin drastische Folterszenen

Oppositioneller Bulatow gegen Kompromisse mit Regierung

Der ukrainische Oppositionelle Dmitro Bulatow rechnet nicht damit, dass die Gegner von Präsident Viktor Janukowitsch auf dessen Forderungen eingehen. In Berlin schilderte er nochmals in drastischen Worten die Folterungen, denen er nach eigenen Angaben ausgesetzt war.

Der ukrainische Oppositionelle Dmitro Bulatow rechnet nicht damit, dass die Gegner von Präsident Viktor Janukowitsch auf dessen Forderungen eingehen und die Besetzung öffentlicher Plätze und Gebäude in Kiew beenden werden. "Es gibt Bedingungen, die kann man nicht erfüllen", sagte Bulatow bei einer Pressekonferenz in Berlin. Die Demonstranten hätten "das Recht, ihren Protest zu äußern", Kompromisse könne es in diesem Punkt nicht geben. Auf einen Asylantrag in Deutschland will der mutmaßlich gefolterte Aktivist offenbar verzichten.

Bulatow spielt eine führende Rolle bei den Protesten gegen die ukrainische Regierung und initiierte mit seiner Bewegung "Auto-Maidan" Proteste vor den Vorstadtvillen Janukowitschs und anderer Spitzenfunktionäre. Er war am 30. Januar schwer verletzt in einem Dorf bei Kiew aufgetaucht und gab an, am 22. Januar verschleppt, gefoltert und schließlich bei minus 25 Grad in einem Wald ausgesetzt worden zu sein. Am 2. Februar reiste er zur medizinischen Behandlung in die litauische Hauptstadt Vilnius. Die litauischen Behörden bestätigten, dass Bulatow gefoltert wurde.

Bei seinem ersten Auftritt in Deutschland bekräftigte der 35-Jährige die unverhandelbaren Forderungen der Opposition: Die Strafverfolgung aller zwischenzeitlich inhaftierten Demonstranten müsse gestoppt, die Verfassung geändert, und die Macht des Präsidenten beschnitten werden. Janukowitschs Rücktritt sei ohnehin unverzichtbar. Außerdem schilderte der dreifache Familienvater nochmals in drastischen Worten die Geschehnisse vor seiner Ausreise aus der Ukraine.

Männer mit russischem Akzent hätten ihm zunächst einen Sack über den Kopf gestülpt. Dann schlugen und schnitten sie ihm ins Gesicht, trennten einen Teil seines Ohrs ab, durchbohrten seine Hände mit Nägeln und prügelten mit Knüppeln auf ihn ein - so zumindest erzählt es Bulatow, zweifelsfrei bestätigen lassen sich diese Angaben nicht. Gepeinigt hätten ihn vermutlich Mitglieder eines russischen "Sondereinsatzkommandos", sagte Bulatow, denn "wenn ein Profi seine Arbeit ausführt, dann merken Sie das". Geblieben sei neben äußerlichen Narben "ein kritisches Gehirntrauma".

Bulatow sprach vor Journalisten im Berliner Mauermuseum am Checkpoint Charlie, wo sich Ende Dezember auch der Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski erstmals nach seiner Freilassung aus einem russischen Straflager öffentlich geäußert hatte. Seine Familie sei "in Sicherheit", seine eigene Zukunft aber offen. Einen Antrag auf politisches Asyl wolle er zunächst weder in Deutschland noch anderswo stellen, sagte Bulatow.

Am Montag solle er im Auswärtigen Amt vorsprechen, mit den beiden ukrainischen Oppositionsführern Vitali Klitschko und Arseni Jazenjuk will sich Bulatow noch beraten, bevor diese ebenfalls am Montag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) empfangen werden. Sicher ist für ihn nur eines: "Wir werden den Widerstand und die Proteste fortsetzen."

© 2014 AFP


Copyright 2018 © Xity Online GmbH