Thilo Corzilius erhält ersten Fantasy-Preis

Verleihung auf Burg Linn in Krefeld

Zum ersten Mal hat die Stadt Krefeld am Samstagabend, 28. August 2021, den Krefelder Preis für Fantastische Literatur vergeben.

Krefeld - In einer Feierstunde auf Burg Linn erhielt der Duisburger Autor Thilo Corzilius die Auszeichnung für seinen Roman „Diebe der Nacht". Eine Fachjury hatte das Buch unter mehr als 150 Bewerbungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum ausgewählt. Der 2020 ins Leben gerufene Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Außerdem erhält der Sieger eine Trophäe in Form eines Pentagondodekaeders. Ein solches Fundstück, das Archäologen bis heute Rätsel aufgibt, befindet sich auch in der Sammlung des Museums Burg Linn.

„Diebe der Nacht" spielt in der fiktiven Lagunenstadt Mosmerano, die an Venedig erinnert. Das Buch handelt von einer Truppe fahrender Schauspieler, die sich durch ausgefuchste Betrügereien ein Nebeneinkommen sichern. Bei ihrem aktuellen Coup geraten sie jedoch in die Fänge eines skrupellosen Magiers. Daraus entsteht eine, wie Oberbürgermeister Frank Meyer in seine Festrede formulierte, „einmalige Mischung aus Artistenromantik, Schatzsuche und Schwertkampf-Abenteuer, gepaart mit einem Hauch von ‚Ocean's Eleven'".

Der Oberbürgermeister zeigte sich auch persönlich begeistert vom ersten Preisträger der neuen Auszeichnung: „Für mich ist ‚Herr der Diebe' vor allem eine Hommage: ans Theater, an die Kunst der Maskerade, der Täuschung und der Verführung; an das fahrende Volk, das von Kirmes zu Kirmes reist und nirgends zu Hause ist; an Gerissenheit und Bauernschläue, die gegenüber der Arroganz der Mächtigen am Ende den Sieg davonträgt; und nicht zuletzt an die Freundschaft, die Menschen eng zusammenschweißt und füreinander durchs Feuer gehen lässt. Das Buch macht in dieser Hinsicht keine Gefangenen, es wird geblutet, gelitten und gestorben: Trotzdem liegen darüber eine unerwartete Leichtigkeit, ein böser Humor und der Mut zu erfrischender, teils rotzfrecher Sprache."

Der Krefelder Autor Bernhard Hennen, der mit seinen Fantasy-Romanen regelmäßig in den Bestsellerlisten auftaucht, schlug in seiner Laudatio ähnliche Töne an. Er attestierte seinem Kollegen Thilo Corzilius, den „Schalk im Nacken" und zugleich „Lust auf Rebellion" zu haben. Besonders hat es Bernhard Hennen die „Ruhende Welt" angetan, jener fiktive geographische Kosmos, in dem Corzilius seinen Roman angesiedelt hat: „Als Autor verfällt er nie in den dozierenden Ton des Schöpfers, der seine Welt präsentieren will. Wir lernen sie en passant bei der Lektüre kennen, haben stets das Gefühl, dass hinter dem Geschriebenen noch mehr steht, dass es hinter der nächsten Ecke noch weitergeht und dort vielleicht die Landstraße beginnt, auf der wir von Mosmerano zu den Amantischen Republiken reisen könnten oder am nächsten Pier eine Kogge liegt, die bald die Segel setzen wird, um Port Delbaine auf dem Archipel der 99 Inseln anzusteuern."

„Diebe der Nacht" ist, wie Bernhard Hennen formulierte, „ein Buch, das beweist, dass großartige Fantastik nicht nur aus England und Amerika stammt". Insofern sei neben der Ehre einer solchen Auszeichnung auch die finanzielle Dotierung des Preises von Bedeutung. Sie verschaffe dem Autor die Freiheit, die Gedanken schweifen zu lassen und für eine Weile abseits von kommerziellen Zwängen seiner Arbeit nachzugehen. „Ich hoffe, das Preisgeld wird Dir - Thilo - die Zeit und Muße schenken, eine weitere Ruhende Welt zu erschaffen, um uns erneut für etliche, magische Lesestunden über die Grenzen der Wirklichkeit hinaus zu führen", erklärte Bernhard Hennen zum Abschluss seiner Laudatio.

In seiner Rede nannte Oberbürgermeister Frank Meyer neben der Autorenförderung noch weitere Gründe, den Preis ins Leben zu rufen. Er bezeichnete die Fantastik als „prägendes popkulturelles Genre der vergangenen Jahrzehnte" und schlug den Bogen von „Harry Potter" bis „Game of Thrones". Gerade für Kinder und Jugendliche seien Fantasy-Stoffe eine „Einstiegsdroge ins Lesen", während Erwachsene in den düsteren Geschichten oft erstaunliche Parallelen zum Hier und Jetzt fänden. „Die Zeit war eindeutig reif für einen Fantasy-Preis, eine Auszeichnung, mit der die fantastische Literatur in Deutschland eine feste Heimat bekommt - das war unsere Grundidee, als wir den ‚Krefelder Preis für Fantastische Literatur' im vergangenen Jahr ins Leben gerufen haben", sagte Frank Meyer.

Krefeld sei für diese Auszeichnung ein idealer Standort, weil die Burg Linn die perfekte Kulisse biete und sich Krefeld die Literatur ohnedies kulturell auf die Fahnen geschrieben habe. „Außerdem scheint sich die deutsche Fantasy-Szene hier im Rheinland zusammenzurotten wie einst die Orks vor Moria", erklärte Frank Meyer. Er verband dies mit einem Dank bei Bernhard Hennen, der die Stadt beratend unterstützt habe sowie bei der Organisatorin, Museumsleiterin Jennifer Morscheiser. „Ich hoffe, dass wir mit diesem Preis auch in den kommenden Jahren Autorinnen und Autoren, Verlegerinnen und Verleger, aber vor allem Sie, liebe Leserinnen und Leser, zum Träumen einladen. Dort draußen, in der unendlichen Welt der Fantasie, gibt es noch viele Geschichten, die unbedingt erzählt werden wollen", sagte Frank Meyer. Die nächste Ausschreibung ist für 2022 vorgesehen.