Textilmuseum Krefeld bereitet neue Ausstellung vor

"Seide - Textile Pracht aus 2000 Jahren"

Das Deutsche Textilmuseum Krefeld zeigt ab 6. März die Ausstellung "Seide - Textile Pracht aus 2000 Jahren" mit rund 200 Exponaten aus dem eigenen Bestand.

Krefeld - In der Restaurierungswerkstatt des Museums wurden und werden zahlreiche Objekte für diese große Ausstellung in der Samt- und Seidenstadt bearbeitet, unter anderem zwei Kostüme. Diese konnten mit Mitteln der Kulturstiftung der Sparkasse Krefeld restauriert werden. "Für uns ist es ein Kernanliegen, die Krefelder Kultureinrichtungen zu unterstützen", sagt Lothar Birnbrich, Vorstand der Sparkassen-Kulturstiftung. Insgesamt beträgt die Fördersumme 16 000 Euro. Aus diesen Mitteln hat das Museum zudem neue Vitrinen angeschafft. ?Das ist für uns eine nachhaltige Förderung", freut sich Dr. Annette Schieck, Leiterin des Deutschen Textilmuseums Krefeld.

Die Vorarbeiten für die neue Ausstellung sind enorm: Momentan arbeiten sieben Restauratorinnen in der Werkstatt des Textilmuseums. Zudem unterstützt eine Kunsthistorikerin als Praktikantin das Ausstellungsteam um Museumsleiterin Annette Schieck und Stellvertreterin Dr. Isa Fleischmann-Heck. Auf allen Tischen der hauseigenen Restaurierungswerkstatt befinden sich noch Objekte, die in der letzten Woche vor der Eröffnung vorbereitet werden. Mit den Mitteln der Kulturstiftung konnte die externe Restauratorin Katja Wagner für diese Ausstellung angestellt werden. Sie behebt Schäden an einem sogenannten Halbtrauerkleid, das Witwen nach einem Jahr der Trauer tragen konnten. Das Exponat aus dem Jahr 1896 stammt aus Krefelder Familienbesitz. Nach 120 Jahren gibt es natürlich einige Stellen, die ausgebessert werden müssen."?Ich arbeite zurzeit parallel an beiden Teilen des Kostüms", so Wagner. Eine wesentliche Aufgabe besteht in dem Glätten von Knicken und Falten. Eine Arbeit, die viel Geduld mit dem teils brüchigen Gewebe verlangt. Denn mit einem Bügeleisen dürfen die empfindlichen Seidenstoffe nicht in Kontakt kommen. Kleinteilig werden Bereiche auf Folie gelegt und nur mit Wasserdampf angefeuchtet, um anschließend mit Nadeln gespannt zu werden. "Dann trocknet es und man hofft, dass es glatt ist", so Wagner. Gut 80 Stunden hat sie sich bereits mit dem Kostüm beschäftigt, es werden noch ein paar Stunden hinzukommen.

Die Arbeit an einem schwarzen Hochzeitskleid aus Seidendamast aus dem Jahr 1908 hat die Restauratorin Verena Thiemann bereits abgeschlossen. "Ich habe wohl 100 Stunden gebraucht", so Thiemann. In Schwarz zu heiraten, war bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts üblich. "Schwarz war die teuerste Farbe für Seide", sagt Fleischmann-Heck. Trotz des wertvollen Stoffes gehörte es wohl nicht einer reichen Krefelderin. Denn das schwarze Hochzeitskleid wurde erst durch Accessoires wie dem weißen Brautschleier zum Hochzeitskleid und ansonsten auch für andere Gelegenheiten angezogen. Das Exponat hat in den vergangenen über 100 Jahren verschiedene Veränderungen erfahren. Soweit es nachvollziehbar war, wurde der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt. Die zahlreichen Fehlstellen zeugen von einer hohen Nutzung. "Vielleicht wurde es auch mal zu Altweiber getragen", spekuliert Thiemann. Die Besucher der neuen Ausstellung "Seide - Textile Pracht aus 2000 Jahren" können es nun wieder in seiner alten Pracht sehen.

Das Deutsche Textilmuseum Krefeld widmet sich mit der ersten großen Ausstellung 2016 dem Thema "Seide". Die ausgewählten Objekte stammen aus Regionen entlang der Seidenstraße, die von China über den Mittelmeerraum nach Italien und schließlich bis nach Krefeld, der Samt- und Seidenstadt, verlief. Unter den Exponaten sind archäologische Funde aus China, dem spätantiken Ägypten, islamzeitliche Textilien des Vorderen Orients, spätmittelalterliche italienische Seiden, Seidenstickereien und Paramente, französische Seiden, Textilien des Jugendstils sowie 18 Kostüme und Kleider aus dem 17. bis 20. Jahrhundert. Alle Ausstellungsobjekte stammen ausschließlich aus dem Bestand des Deutschen Textilmuseums Krefeld. Die Eröffnung der Ausstellung "Seide - Textile Pracht aus 2000 Jahren" ist am Sonntag, 6. März, um 11 Uhr in der Museumsscheune an der Albert-Steeger-Straße in Krefeld-Linn in unmittelbarer Nähe des Deutschen Textilmuseums am Andreasmarkt.