Studie: Steuervorteile für Dienstwagen behindern Verkehrswende

System schafft ökologische und soziale Fehlanreize

Die geltenden Steuervorteile für Dienstwagen sind laut einer Analyse der Denkfabrik Agora Verkehrswende und des Öko-Instituts ein zentrales Hindernis für mehr Klimaschutz im Verkehrssektor.

Berlin - Gefördert werde damit zum einen die Anschaffung besonders klimaschädlicher Fahrzeuge mit hoher Motorleistung, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Analyse. Zum anderen profitierten überwiegend Haushalte mit einem besonders hohen Einkommen.

Die Steuernachlässe auf privat genutzte Firmenwagen kosteten den Staat zwischen drei und sechs Milliarden Euro jährlich, kritisierten die Institute. Davon gehe etwa die Hälfte an das Fünftel der Haushalte mit den höchsten Einkommen, während die Haushalte der unteren Einkommenshälfte nur etwa ein Fünftel des Geldes erhielten.

Zudem hätten die privat genutzten Firmenwagen mit durchschnittlich 160 PS eine wesentlich höhere Motorleistung als privat zugelassene Pkw mit durchschnittlich 115 PS. Auch die Zahl der gefahrenen Kilometer sei wesentlich höher, was auch damit zusammenhänge, dass vielfach von Unternehmen pauschal die Betriebskosten übernommen würden. Zwar gebe es einen Bonus für voll- oder teilelektrische Fahrzeuge, eine ökologische Lenkungswirkung sei dadurch aber nicht zu erkennen.

"Für Arbeitgeber und Beschäftigte lohnt es sich in Deutschland, besonders teure, oft große und damit tendenziell emissionsstarke Fahrzeuge anzuschaffen, weil dann der Steuervorteil durch Absetzbarkeit der Anschaffungskosten und Vorsteuerabzug im Vergleich zum privaten Pkw am größten ist", kritisierten die beiden Institute. Sie mahnten daher dringend eine Reform an.

Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sollten als Dienstwagen überhaupt nicht mehr gefördert werden, verlangte der Direktor von Agora Verkehrswende, Christian Hochfeld. Gegen die von Arbeitgebern häufig mit den Autos bereitgestellten Tankkarten wandte sich Konstantin Kreye vom Öko-Institut. Diese führten zu einem Effekt: "Je mehr ich fahre, desto mehr bekomme ich für mein Geld."

Die beiden Institute sprachen von erheblichen "Fehlanreizen" durch die Steuervorteile. Diese würden sich zudem auf den Pkw-Bestand insgesamt übertragen, da die Fahrzeuge meist nach wenigen Jahren gebraucht weiterverkauft würden. Insgesamt werden der Analyse zufolge derzeit zwei von drei neuen Pkw in Deutschland nicht privat sondern gewerblich zugelassen.

(xity, AFP)