Studie: Corona-Krise weckt neue Zukunfts-Ängste

Pandemie überlagert viele Sorgen von Eltern

Mit der Corona-Pandemie sind laut einer aktuellen Studie die Zukunftssorgen der Eltern gewachsen.

Leverkusen - Die größte Angst haben Mütter und Väter vor einer Erkrankung ihres Kindes (35 Prozent). Danach folgen Sorgen angesichts der Folgen von Umweltverschmutzung und Klimawandel (29 Prozent). Neu ist an dritter Stelle die Angst vor weiteren Pandemien oder einer neuen Corona-Welle (26 Prozent). Weit verbreitet ist zudem die Sorge um die Bildungschancen der Kinder (ebenfalls 26 Prozent). Dies sind Ergebnisse der Studie "Familien in der Krise" der pronova BKK, für die 1.000 Menschen mit mindestens einem Kind im Haushalt befragt wurden.

Infektions-Wellen und Lockdown-Maßnahmen mit geschlossenen Schulen und Kitas haben bei den Eltern neue Sorgen wachsen lassen, besonders um die Bildungschancen der Kinder. Gut ein Viertel der Befragten fürchtet sich vor neuen Virus-Wellen wie auch vor Bildungslücken. "Die Pandemie war eine kollektive Krisenerfahrung", sagt die auf den Gesundheitsmarkt spezialisierte Zukunftsforscherin Corinna Mühlhausen. Auch die Folgen der Krise beschäftigen die Eltern: 23 Prozent befürchten psychische Belastungen ihrer Kinder, 21 Prozent wirtschaftliche Nachteile. "Die durchlittene Pandemie dürfte dazu beitragen, dass sich Eltern und Kinder stärker um Gesundheitsschutz und Vorsorge kümmern werden", erwartet Mühlhausen.

Angst vor der Klimakrise tritt etwas in den Hintergrund

Mit der Pandemie-Erfahrung haben sich die Befürchtungen der Eltern verschoben. Das zeigt ein Vergleich mit den früheren Familienstudien der pronova BKK, für die seit 2015 alle zwei Jahre Eltern mit Kindern unter zehn Jahren befragt wurden. Trieben Befürchtungen mit Blick auf den Klimawandel im Jahr 2019 noch 38 Prozent um, fühlen sich 2021 nur noch 28 Prozent der Eltern mit Kindern unter zehn Jahren hierdurch am stärksten betroffen. Dabei hatte der Klimawandel den Familienstudien seit 2015 zufolge zunehmend Zukunftsängste ausgelöst: 2017 war der Anteil der besorgten Eltern von 23 Prozent auf 28 Prozent angewachsen und hatte in den folgenden zwei Jahren sogar einen Sprung um zehn Prozentpunkte gemacht. "Die Pandemie hat mit ihren sozialen Folgen für die Familien das Thema Klimawandel überlagert", konstatiert Mühlhausen, "die damit verbundenen Erschütterungen haben das Familienleben unmittelbar geprägt."

Armut und Krankheit erscheinen weniger bedrohlich

Geldsorgen haben in den vergangenen Jahren abgenommen. In den früheren Familienstudien zählte die Sorge um die finanzielle Absicherung der Liebsten regelmäßig zu den Top drei, verlor aber kontinuierlich an Bedeutung. 2015 beunruhigte die finanzielle Lage jeden Zweiten, 2019 nur noch etwa jeden Dritten, in diesem Jahr jeden Vierten mit Kindern unter zehn.

Deutlich geschrumpft ist auch die Angst vor einer generellen Erkrankung des Kindes: Waren vor zwei Jahren noch knapp die Hälfte der Eltern unter Zehnjähriger deshalb besorgt, sind es heute nur noch 39 Prozent - und das in Pandemie-Zeiten. "Familien sind extrem von der Corona-Krise betroffen. Die Angst, dass das eigene Kind sich anstecken könnte, ist aber nur ein Aspekt. Lockdown-Maßnahmen und Kontaktbeschränkungen waren für die Familien mindestens ebenso belastend", sagt Zukunftsforscherin Mühlhausen.

Pandemie-Angst schiebt sich im Bewusstsein nach vorn

Eine neuerliche Corona-Welle oder eine neue Pandemie - das gehört 2021 zu den größten Ängsten deutscher Eltern. "Dabei haben sich Familien mit Mut und Durchhaltevermögen aus der Überforderung befreit. Drei Viertel der Eltern geben an, dass die Familie zusammengewachsen sei. Das zeigt, wie resilient die Familie als Gemeinschaft ist." Mühlhausen sieht auch neue Ansätze der Krisenbewältigung, die in der Zukunft dienlich sein könnten.