17.09.2019 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Studie stellt Grundrenten-Modellen der Koalition schlechtes Zeugnis aus

Studie stellt Grundrenten-Modellen der Koalition schlechtes Zeugnis aus

Modelle von Union und SPD würden Altersarmut kaum beheben

Die in der großen Koalition diskutierten Konzepte für eine Grundrente sind einer aktuellen Studie nur in geringem Maße geeignet, künftige Altersarmut zu verhindern.

Berlin - Die Pläne seien nur in geringem Maße geeignet, künftige Rentner vor Altersarmut zu bewahren, heißt es in einer Studie, welche die Bertelsmann-Stiftung und das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Donnerstag vorlegen wollen.

Das im Koalitionsvertrag vorgeschlagene Modell mit einer verpflichtenden Prüfung der Bedürftigkeit würde die Altersarmut kaum bremsen, resümieren die Experten. Die von der SPD vertretene Forderung, die Grundrente auch ohne Bedürftigkeitsprüfung auszuzahlen, würde das angestrebte Ziel nur in eingeschränktem Umfang erreichen.

Zu den größten Risikogruppen gehören unter anderem Alleinstehende und Geringqualifizierte. Als armutsgefährdet gilt der Studie zufolge, wer unter Berücksichtigung seiner Haushaltssituation ein Nettoeinkommen von weniger als 905 Euro hat.

Selbst bei ungemindert positiven Konjunkturaussichten könnte das Armutsrisiko ohne Einführung der Grundrente im Alter weiter steigen, so dass bis 2039 insgesamt 21,6 Prozent der Rentner in Deutschland von Altersarmut betroffen sein könnten, heißt es in der Untersuchung. Aktuell sind es 16,8 Prozent.

Die Einführung einer Grundrente würde den Anstieg des Armutsrisikos leicht bremsen, heißt es in der Studie: Bei Umsetzung des Koalitionsmodells mit Bedürftigkeitsprüfung würde sich das prognostizierte Armutsrisiko bis 2039 nur um 0,4 Prozentpunkte auf dann 21,2 Prozent reduzieren.

"Der Hauptgrund für diesen geringen Effekt liegt darin, dass weniger als ein Drittel der Personen mit Grundsicherungsanspruch auf die geforderten 35 Versicherungsjahre kommen", erklärte Studienautor Johannes Geyer vom DIW.

Das Reformkonzept von Arbeitsminister Heil, das eine Auszahlung der Grundrente ohne Prüfung der Bedürftigkeit vorsieht, könnte die Altersarmut der Studie zufolge wirksamer reduzieren: Mit ihm würde sich die prognostizierte Armutsrisikoquote bis 2039 auf 18,4 verringern.

Gleichzeitig sei diese Reform aber wenig zielgenau, monieren die Studienautoren. Denn davon würden viele Menschen profitieren, deren Nettoeinkommen deutlich oberhalb der Grundsicherungsschwelle liegt.

85 Prozent der 3,1 Millionen Berechtigten hätten laut Studie aufgrund anderer Einkünfte im Haushalt eigentlich keinen Anspruch auf Leistungen der Grundsicherung im Alter. Das mittlere individuelle Nettoeinkommen der Begünstigten liege sogar doppelt so hoch wie die Bedürftigkeitsschwelle.

Unterschiede der beiden Modelle zeigen sich auch mit Blick auf die Kosten: Im Konzept von Heil würden die Mehrkosten laut Studie im Ausgangsjahr aufgrund des großen Kreises der Begünstigten mit rund sieben Milliarden zu Buche schlagen, beim Koalitionsmodell kämen dagegen nur rund eine Milliarde Mehrkosten auf die öffentlichen Kassen zu.

Um die Grundrente zielgenauer zu machen, schlägt der Studienleiter der Bertelsmann Stiftung, Christoph Schiller, eine einfache Einkommensprüfung ohne Vermögensprüfung und eine etwas flexiblere Auslegung der Versicherungszeiten vor.

Die Einkommensprüfung könne sicherstellen, dass tatsächlich nur einkommensschwache Haushalte in den Genuss der Aufwertung der Rentenanwartschaften kommen. Eine flexiblere Auslegung der anerkannten Versicherungszeiten käme dem wachsenden Anteil von Menschen zugute, die im Lebensverlauf längere versicherungsfreie Zeiten oder Zeiten der Erwerbslosigkeit aufweisen.

(xity, AFP)


Copyright 2019 © Xity Online GmbH