Studie: Pflanzliche Fette sind kein Königsweg zum gesunden Herzen

Tierische Fette offenbar doch nicht so "böse" wie angenommen

Einer Studie zufolge senkt die Umstellung von tierischen auf pflanzliche Fette zwar den Cholesterinspiegel, nicht aber das Risiko von Todesfällen durch Herzerkrankungen.

Berlin - Im Gegenteil: Die Senkung des Cholesterin-Spiegels könnte demnach das Sterberisiko sogar erhöhen, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung im wissenschaftlichen Fachblatt "BMJ", ehemals "British Medical Journal". Der Wechsel von gesättigten zu ungesättigten Omega-6-Fetten habe im Versuch mit rund 10.000 Teilnehmern zwar zu einer Senkung des Cholesterin-Werts geführt, nicht dagegen zum erwarteten Rückgang an Todesfällen infolge von Herzerkrankungen.

Seit einem halben Jahrhundert werden tierische Fette - wie sie etwa in Fleisch, Butter, Sahne oder Käse vorkommen - von Ernährungsexperten als "böse Fette" geschmäht. Verstärkter Konsum kann nach allgemeiner Überzeugung zu Cholesterin-bedingten Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen. Bereits 1961 empfahl die US-Herzgesellschaft den Verzehr pflanzlicher statt tierischer Fette. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät dazu, dass der Anteil von Fetten aus Tierprodukten weniger als zehn Prozent an der täglichen Energieaufnahme betragen sollte.

Vollmilch, Speck und andere tierfetthaltige Lebensmittel hatten einen entsprechend schweren Stand bei ernährungsbewussten Verbrauchern. Doch in jüngster Zeit hat diese Gewissheit Risse bekommen. Diese Zweifel verstärkt nun Christopher Ramsden vom den National Institutes of Health, der US-Gesundheitsbehörde, in der Studie.

Die Wissenschaftler unter Ramsden analysierten erneut die Daten von 9423 zufällig ausgewählten Teilnehmern einer Studie vor 45 Jahren in Minnesota. Bei einer Gruppe der Probanden wurden tierische Fette durch Maiskern-Öl ersetzt, die übrigen blieben bei der tierfetthaltigen Kost.

Zwar sei bei den Pflanzenfett-Konsumenten der Cholesterin-Wert gesunken, das habe sich aber nicht auf die Sterblichkeitsrate ausgewirkt. "Tatsächlich hatten die Teilnehmer mit einer stärkeren Verringerung des Blutcholesterins ein höheres statt ein niedrigeres Todesrisiko", heißt es in der Studie. Ein Vergleich mit anderen ähnlichen Zufallsstudien habe die Ergebnisse weiter erhärtet.

Die Vorteile mehrfach ungesättigter Fettsäuren gegenüber gesättigten "sind weniger gewiss als wir dachten", kommentierte Lennert Veerman, Experte für Gesundheitswesen an der Universität Queensland. Es sei allerdings weitere Forschung nötig - solange sollten "wir weiter mehr Fisch, Früchte, Gemüse und Kerne essen".

(xity, AFP)