Studie: Integrationsklima gut - Bereitschaft gering

Vorurteile gegen Minderheiten halten sich hartnäckig

Das Klima für die Integration in Deutschland ist einer Studie zufolge gut, die konkrete Bereitschaft zur gleichberechtigten Eingliederung von Migranten aber gering.

Berlin - Eine Mehrheit der Bürger plädiert zwar für eine bessere Willkommenskultur in Deutschland, wie die in Berlin veröffentlichte Untersuchung der Universität Bielefeld ergab. Wenn es allerdings um die Umsetzung dieses Ziels im Alltag gehe, blieben viele Deutsche reserviert.

Dabei überschätzen viele Befragte ihre Integrationsbereitschaft und Toleranz, wie aus der von der Mercator-Stiftung geförderten Studie des Instituts für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Bielefelder Hochschule hervorgeht. So vertrat knapp ein Drittel der Befragten einerseits die Auffassung, dass Neuhinzugekommenen die gleichen Rechte zustünden, stimmte aber gleichzeitig auch der Aussage zu, dass Neunankömmlinge "sich erst einmal mit weniger zufrieden geben" sollten.

Auch hielten es knapp 20 Prozent für selbstverständlich, dass Zuwanderern "genauso viel zusteht wie allen anderen auch". Dieselben Befragten waren aber zugleich der Meinung, die "Neuen" hätten keine Ansprüche zu stellen.

Knapp 55 Prozent äußerten sich bei der Befragung wohlwollend dazu, dass sich "immer mehr Migranten in Deutschland zu Hause fühlen". "Geht es allerdings um die Frage, wer sich auf wen zu bewegen soll, wird von vielen Befragten doch wieder auf die einseitige Anpassungsleistung, die Assimilation der Einwanderer, bestanden", erklärte die Studien-Koordinatorin Madlen Preuß. Studienleiter Andreas Zick unterstrich, es sei allerdings auch festzuhalten, "dass die Mehrheit der Bürger positiv gegenüber Migranten eingestellt ist - ganz besonders jene, die schon eingewandert sind".

Die Untersuchung ergab auch, dass Vorurteile gegen Minderheiten wie Sinti und Roma, Asylbewerber und Muslime weiterhin verbreitet sind. Mehr als jeder fünfte Befragte äußerte gegenüber diesen Gruppen starke Vorurteile und Ablehnung. Auch antisemitische und rassistische Agitation finden demnach weiter Anklang in der deutschen Bevölkerung: Mindestens jeder zehnte Bürger stimmte in der Befragung einer natürlichen Hierarchie zwischen Völkern zu und unterstellte zugleich Juden, sie würden von der Holocaust-Vergangenheit profitieren wollen.

(xity, AFP)