Strafanzeige gegen Hausärztin von Germanwings-Copilot

"Welt": Vorwurf der unterbliebenen Information

Ein Hinterbliebener von Opfern des Germanwings-Absturzes hat nun auch Strafanzeige gegen die Hausärztin des Copiloten Andreas Lubitz erstattet.

Düsseldorf -  Einen entsprechenden Onlinebericht der "Welt" bestätigte am Montag die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft. Der Zeitung zufolge wirft der Mann der Medizinerin vor, Lubitz' Arbeitgeber oder das Luftfahrtbundesamt trotz der von ihr diagnostizierten seelischen Störungen bei dem Copiloten nicht über dessen Erkrankung informiert zu haben.

Lubitz hatte die Maschine des Lufthansa-Tochterunternehmens Germanwings am 24. März 2015 an einem Berghang in den französischen Alpen zerschellen lassen und 149 Menschen mit sich in den Tod gerissen. Er litt jahrelang unter Depressionen und hatte deswegen auch Ärzte aufgesucht.

Bei dem Hinterbliebenen, der in dem Fall nun juristisch aktiv wurde, handelt es sich laut "Welt" um den Unternehmer Klaus Radner. Der 61-Jährige hatte bei dem Germanwings-Absturz seine Tochter, seinen 18 Monate alten Enkel und dessen Vater verloren. Bereits vor einigen Wochen hatte Radner demnach den flugmedizinischen Dienst der Lufthansa und Verantwortliche des Luftfahrtbundesamts (LBA) angezeigt.

Radner argumentiert dem Zeitungsbericht zufolge, dass Lubitz nach einer schon bekannten schweren Depression nicht hätte Pilot eines Verkehrsflugzeugs werden dürfen. Eine im Jahr 2009 ausgestellte Sondergenehmigung der Fliegerärzte der Lufthansa sei rechtlich unzulässig gewesen.

Die nun von Radner ebenfalls angezeigte Hausärztin soll dem Bericht zufolge Lubitz seit mindestens November 2014 behandelt haben. Aus der Strafanzeige von Radner geht laut "Welt" hervor, dass sie bei Lubitz eine Psychose und andere schwere seelische Beeinträchtigungen wie Angst- und Schlafstörungen diagnostiziert hatte.

"Durch Kenntnis des Pilotenberufs ihres Patienten ist mit dieser mehrmals ausgesprochenen psychischen Erkrankung die ärztliche Schweigepflicht nicht mehr gegeben", zitierte die Zeitung aus der Anzeige von Radner. Die Ärztin sei deshalb mitverantwortlich am Tod von allen Passagieren und der Crew des Germanwings-Flugs 4U9525.

(xity, AFP)