Stiko-Chef: Aktuelle Corona-Impfungen werden nicht die letzten sein

Mertens rechnet mit nötiger Impf-Auffrischung im kommenden Jahr

Die Ständige Impfkommission (Stiko) geht davon aus, dass Impfungen gegen das Coronavirus im kommenden Jahr aufgefrischt werden müssen.

Berlin - "Das Virus wird uns nicht wieder verlassen. Die aktuellen Corona-Impfungen werden deswegen nicht die letzten sein", sagte der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntagsausgaben). Es sei "sinnvoll", wenn die Produktion von Covid-19-Impfstoffen auch in Deutschland angekurbelt werde.

Wann genau eine Auffrischung des Impfschutzes gegen Covid-19 nötig sein könne, sei angesichts der Datenlage noch nicht klar, sagte Mertens weiter. "Wir müssen sicherlich noch einige Monate warten, um zu sehen, ob möglicherweise bei einzelnen Gruppen der Impfschutz bereits wieder nachlässt oder generell zu schwach war."

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach rechnet damit, dass Corona-Schutzimpfungen in den kommenden Jahren zur Routine werden. "Ich gehe davon aus, dass die Immunität nach einer Impfung gegen Covid-19 rund sechs Monate hält. Die erste Auffrischung wird deshalb für einige bereits im Herbst fällig sein." Generell gelte: "Es wird mit Sicherheit nicht bei einer Auffrischung bleiben. Das Coronavirus und seine Mutanten werden uns noch auf absehbare Zeit beschäftigen. Wir werden in den nächsten Jahren regelmäßig gegen Covid-19 impfen müssen."

Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) forderte derweil eine schnellere Lockerung der Corona-Beschränkungen für Menschen, die sich das Präparat von Astrazeneca verabreichen lassen. "Wer mit Astrazeneca geimpft wird, sollte schon drei Wochen nach der ersten Dosis mehr Freiheiten bekommen", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe mit Blick auf den Sommerurlaub. Kretschmer berief sich dabei auf eine entsprechende Regelung in Österreich.

Zugleich warb der sächsische Regierungschef erneut für den Einsatz des russischen Vakzins Sputnik V in Deutschland. "Wir können jeden zugelassenen Impfstoff gebrauchen", sagte Kretschmer. Zwar sei es noch nicht sicher, ob Sputnik V eine europäische Zulassung bekomme. Er erlebe aber eine ganze Reihe von Menschen, die bereit wären, diesen Impfstoff zu nehmen.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Infektionen ging derweil weiter zurück und lag den dritten Tag in Folge unter hundert. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Sonntagmorgen unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter mitteilte, wurden in den vergangenen sieben Tagen landesweit 83,1 Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohner nachgewiesen. Am Samstag hatte der Inzidenzwert bei 87,3 gelegen, am Freitag bei 96,5.

Wie das RKI weiter mitteilte, wurden innerhalb eines Tages 8500 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert. Das sind mehr als 4000 weniger als vor einer Woche. Allerdings liegt die Zahl an Wochenenden in der Regel niedriger als im Wochendurchschnitt, weil an den Wochenenden weniger getestet wird und weniger Testergebnisse übermittelt werden. Auch durch den Feiertag am Donnerstag dürften die Zahlen verzerrt sein.

(xity, AFP)