Steinmeier: Afghanistan-Einsatz weckte zu hohe Erwartung

"In Teilen des Landes regiert immer noch Gewalt"

Bundesaußenminister Steinmeier (SPD) hat eine ernüchternde Bilanz des afghanistan-Einsatzes gezogen.

Berlin - "Vieles spricht dafür, dass es unser größter Fehler war, zu hohe Erwartungen zu wecken - und dafür zu geringen Aufwand zu treiben."

"Wir wollten nicht nur die Sicherheitsbedrohung ausschalten, die von Afghanistan ausging, sondern das Land im Eiltempo in eine Zukunft nach unseren Vorstellungen führen", resümierte der Minister in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung".

Es gebe in Afghanistan viele Fortschritte, aber vieles sei bis heute nicht gelungen. So floriere der Drogenhandel und es gebe Korruption auf allen Ebenen. "In vielen Provinzen herrschen mächtige Warlords, in Teilen des Landes regiert immer noch Gewalt", erklärte Steinmeier. Zu früh sei von einem Sieg über die radikalislamischen Taliban ausgegangen worden.

Als Niederlage will der Außenminister das internationale Vorgehen in Afghanistan aber nicht bewerten. Von dem Land gehe nun keine terroristische Bedrohung für die internationale Gemeinschaft mehr aus. Gerade im Vergleich mit anderen Ländern wie Syrien und dem Irak "können sich die Ergebnisse des Afghanistans hinreichend sehen lassen", schrieb Steinmeier.

Die Bundeswehr ist seit Ende 2001 in Afghanistan und will im Einklang mit den Nato-Planungen den Kampfeinsatz in in dem Land Ende dieses Jahres abschließen. Ab kommendem Jahr soll eine Trainings- und Unterstützungsmission folgen, an der sich Deutschland mit bis zu 800 Soldaten beteiligen könnte.

224 frühere afghanische Mitarbeiter von Bundeswehr und Polizei sind bislang wegen einer Gefährdung in ihrem Heimatland nach Deutschland eingereist. Insgesamt seien bis Anfang Oktober 479 sogenannte Aufnahmezusagen erteilt worden, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums auf AFP-Anfrage und bestätigte damit einen Bericht der "Stuttgarter Zeitung". Den Ministeriumszahlen zufolge blieb allerdings gut die Hälfte der Anträge von afghanischen Ortskräften erfolglos.

(xity, AFP)