Steinbrück nennt seine Kanzlerkandidatur "Fehler"

"Ich unterlag einer Selbsttäuschung"

Der SPD-Politiker Peer Steinbrück bereut seine Entscheidung, bei der Bundestagswahl 2013 gegen Kanzlerin Merkel angetreten zu sein.

Berlin - "Die Kanzlerkandidatur war ein Fehler, und zwar meiner", sagte Steinbrück dem "Spiegel". "Ich glaube, dass ich einer ausgeprägten Selbsttäuschung unterlag", fügte er hinzu.

Der SPD-Politiker nannte dem Magazin "drei Felder" der Fehleinschätzung: Dies sei zum einen die Bewertung seiner Chancen gegen die Amtsinhaberin Angela Merkel (CDU) gewesen. Zum zweiten die Frage, ob er als "nicht unbedingter Messdiener parteipolitischer Wahrheiten" zusammen mit seiner Partei SPD einen Wahlkampf erfolgreich gestalten könne und zum dritten die politische Stimmung im Land. "Ich war etwas blind", sagte Steinbrück, hinzu gekommen sei "eine gewisse Koketterie" seinerseits.

Der Wahlkampf sei aus mehreren, auch von ihm verschuldeten Gründen bereits im Frühjahr 2013 verloren gewesen, sagte Steinbrück jetzt. "Da können Sie nichts mehr machen, und nur noch in Würde zu Ende spielen."

Die SPD hatte bei der Bundestagswahl im September 2013 mit Steinbrück an der Spitze nur 25,7 Prozent geholt. Steinbrücks Kandidatur war überschattet von einer Serie von Pannen und Aufregern bereits zum Jahreswechsel 2012/2013, darunter der Umgang mit hohen Vortragshonoraren sowie Äußerungen über billige Weine und das zu niedrige Kanzlergehalt.

Steinbrück sieht aber auch Fehler bei der SPD. Deren zentraler strategischer Fehler im Wahlkampf sei es gewesen, die Lage in Deutschland zu negativ dargestellt zu haben. Der Ex-Kanzlerkandidat plädierte daher für eine parteiinterne Aufarbeitung der Niederlagen sowohl 2009 als auch 2013, zeigte sich aber skeptisch, dass die Partei dies tatsächlich umsetzen wird.

(xity, AFP)