Stadt Hanau plant Kooperation mit Planet Tree

Mit einer guten Idee den Wald retten

Einen Baum zu pflanzen hatte schon immer große Symbolkraft, denn der Baum wird oft als Zeichen für das Leben betrachtet.

Hanau - Einen Baum zu pflanzen hatte schon immer große Symbolkraft, denn der Baum wird oft als Zeichen für das Leben betrachtet: seine Zweige weisen auf die Vielfalt und die Wurzel auf den gemeinsamen Ursprung hin. Bäume bieten vielen Tieren, Pilzen und auch anderen Pflanzen einen Lebensraum, sie spenden Sauerstoff, Regenschutz, Feuchtigkeit und Schatten und oft auch Blüten, Früchte, Nüsse und Samen. Selbst am Ende seines Lebenszyklus ist der Baum für die Menschen von großer Bedeutung: Sein Holz erzeugt Wärme durch Verbrennung und dient dem Bau von Häusern, Möbeln, Brücken, Booten, Spielgeräten, Werkzeug, Gebrauchsgegenständen, Dekoration sowie vielem mehr!

Viele Menschen lieben es sich im Wald aufzuhalten und dort die kühle saubere Waldluft zu atmen und der Natur nahe zu sein. Doch der Wald leidet. Auf Grund von Klimawandel, Schädlingen und Umwelteinflüssen sterben jedes Jahr mehr und mehr Bäume ab. Riesige Flächen müssen neu aufgeforstet werden. Das ist eine große Aufgabe, die natürlich auch viel kostet.

Bisher konnten Menschen, die Bäume und den Wald lieben, nur hilflos zusehen und hoffen, dass das heimische Forstamt es schafft, dem Waldsterben die Stirn zu bieten. Seit letzten Sommer können sie nun endlich auch etwas dagegen tun:

Das kleine Familienunternehmen Planet Tree aus Hanau ermöglicht Menschen einen Baum im heimischen Forst, durch ein paar Clicks im Internet pflanzen zu lassen und so zum Erhalt des Lebens- und Erholungsraums Wald beizutragen. Über die Seite www.planet-tree.de können Interessierte - ab 10 Euro pro Baum - Spendenzertifikate erstehen und diese auch an andere Menschen verschenken. Auch kleine Geschenke, wie Grünpflanzen, Bücher über den Wald oder Deko-Artikel aus Treibholz können mit der Baumspende bestellt und ebenfalls als Geschenk versendet werden. Auch sie erhalten personalisierte Aufkleber, die erklären, wer den Baum an wen verschenkt hat. Mitgelieferte Geokoordinaten zeigen an, wo genau der Baum gepflanzt werden wird.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky besuchte jüngst – gemeinsam mit Wirtschaftsförderin Erika Schulte - das Start-Up Planet Tree, das vor etwas über einem Jahr vom Ehepaar Sandra und Leslie Schnee sowie dessen Mutter Kathrin Schnee gegründet wurde, und derzeit noch aus dem Eigenheim der Familie operiert. Die sympathische Familie aus Großauheim – zu der auch zwei quirlige aufgeweckte Kinder und ein junger Hund gehören – wohnt ganz in der Nähe des Wolfgänger Waldes und besucht diesen oft und gern. Die Frankfurter kamen vor ein paar Jahren nach Hanau, als sie auf der Suche nach einem bezahlbaren Eigenheim im Rhein-Main-Gebiet waren und im Neubaugebiet Argonner Wiesen fündig wurden.

„Entstanden ist die Idee zu Planet Tree auf einer Autofahrt in den Sommerurlaub, vorbei an Wäldern bei denen ganze Areale kahlgeschlagen oder vertrocknet waren“, berichtet Kathrin Schnee. Vor Ort habe die Familie sich mit ihrer Idee für eine Baumspende an das Forstamt in Mecklenburg-Vorpommern gewandt und dort offene Türen eingelaufen. Schnell wurde ein Kooperationsvertrag zur Aufforstung der Wälder geschlossen. „Natürlich war uns klar, dass wir die Möglichkeit zur Baumspende natürlich auch für unsere Heimatstadt Hanau und den Wald vor unserer Haustür, den wir so lieben, haben wollen“, erzählt Sandra Schnee, darum habe man auch den Hessen Forst vor Ort kontaktiert und dort ebenfalls Gehör und einen Kooperationspartner gefunden.

Die Corona-Krise und der daraus folgende Lockdown sorgten dafür, dass die Schnees viel Zeit in den Aufbau ihres Unternehmens stecken konnten: Leslie Schnee, der am Frankfurter Flughafen arbeitete, und seine Frau Sandra, die in einem Reisebüro tätig war, wurden in Kurzarbeit geschickt und widmeten sich nun mit Hochdruck ihrem Baumpflanzungsprojekt. „Als IT-Fachmann konnte ich die Webseite mit dem Shop selbst erstellen und so entstanden nicht gleich hohe Kosten“, berichtet der Familienvater. Pflanzen, Bücher und Kartons lagern derzeit noch im Keller und Wohnzimmer der Familie. „Aber wir suchend dringen Lager- und Büroräume, denn hier platzt alles komplett aus den Nähten“, sind sich die drei Schnees einig.

Denn obwohl Planet Tree anfangs keinerlei Werbung – außer über die eigenen sozialen Netzwerke – betrieb, kam die Idee zur Aufforstung der heimischen Wälder bei vielen Menschen sehr gut an und entwickelte beträchtliche Eigendynamik: Inzwischen sind es bis zu 100 Baumspenden am Tag, die bearbeitet – und dann als Zertifikat oder als Symbolgeschenk – verschickt werden müssen. So viele, dass Leslie Schnee sich inzwischen hauptberuflich dem Unternehmen Planet Tree widmet. Seine Mutter Kathrin geht in acht Monaten in Rente und wird ihn dann ebenfalls in Vollzeit unterstützen. Auch Ehefrau Sandra arbeitet tatkräftig mit. „Leute schenken Baumzertifikate zu jedem Anlass: Geburt, Hochzeit, Trauerfall, Geburtstag oder Danksagung. Da es jetzt auf Weihnachten zugeht, rechnen wir damit, dass das Auftragsvolumen noch einmal beträchtlich ansteigen wird“, sagt Leslie Schnee.

Mehr als 31.500 Bäume sind bisher durch Planet Tree gepflanzt beziehungsweise in Auftrag gegeben worden. „Es gibt zwei Pflanzaktionen im Jahr – eine im Frühjahr und eine im Herbst“, berichtet Leslie Schnee. „Wir melden den Forstämtern zweimal im Jahr einen Zwischenstand und überweisen entsprechend das Geld für die Baumspende. Am 15. und 16. März 2021 wurden die ersten 1.504 Bäume in Hessen gepflanzt - offiziell begleitet von Forstamtsleiter Lutz Hofheinz und Revierleiter Volker Ahrend vom Hessen Forst. Mitten im Wald, östlich der Stadt Hanau, wurden durch den Forstbetrieb Zobel aus Ortenberg junge, etwa 30 Zentimeter große Stileichen gepflanzt, die aus der benachbarten Baumschule des Hessen Forst stammen. Nach der Pflanzaktion wurde der Bereich eingezäunt, um die kleinen Bäumchen vor Wildfraß zu schützen. Anfang April folgte dann die Pflanzung der ersten Bäume in Mecklenburg-Vorpommern.

„Menschen aus ganz Deutschland kontaktieren uns und fragen, ob sie denn auch Bäume für andere Bundesländer spenden können, aber leider haben wir noch keine entsprechenden Kooperationsverträge dorthin“, berichtet Leslie Schnee. Es sei nicht leicht zu den Verantwortlichen für die öffentlichen Waldgebiete durchzudringen und die bürokratischen Hürden auf diesem Weg zu überwinden.

Oberbürgermeister Claus Kaminsky zeigte sich begeistert von der Idee zur Aufforstung und deren Umsetzung durch Planet Tree. „Auch die Stadt Hanau wird eine Kooperation mit Ihnen eingehen, um den Stadtwald aufzuforsten!“, versprach er. Außerdem würden er und die Wirtschaftsförderung den Einfluss und Verbindungen der Stadt Hanau geltend machen, um noch weitere Kooperationspartner von Planet Tree zu überzeugen. „Ihr Konzept ist nicht nur nachhaltig und lobenswert, sondern auch genial. Wir werden Sie gerne auf ihrem Weg unterstützen und wünschen Ihnen sehr viel Erfolg!“, so Kaminsky. Es freue ihn zum einen, dass eine so sympathische Familie mit einer kreativen Idee aus der wirtschaftlichen Coronakrise gefunden habe, sagte der Oberbürgermeister, „und zum anderen bedeutet Ihr Erfolg gleichzeitig mehr Bäume für unseren Wald. Das Ganze ist also eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten!“, schloss er.