Spahn hält Sommerurlaub in EU auch ohne Impfung für möglich

Kommunen warnen vor Durcheinander bei Corona-Lockerungen

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht angesichts der derzeitigen Entwicklung in der Corona-Pandemie gute Chancen für einen problemlosen Sommerurlaub in den EU-Staaten.

Berlin - "Innerhalb der EU wird das Reisen voraussichtlich nicht von der Impfung abhängig sein", sagte Spahn der "Rheinischen Post" vom Samstag. "Auch mit den Testungen wird man sich europaweit gut bewegen können." Der Städte- und Gemeindebund warnte derweil vor einem deutschlandweiten Durcheinander bei Corona-Lockerungen.

Spahn sagte, er selbst plane seinen Urlaub in Deutschland: "In dieser hoffentlich letzten Phase der Pandemie würde ich keine großen Fernreisen planen, Nordsee statt Südsee quasi." Mit Blick auf Öffnungen mahnte er ein umsichtiges Vorgehen an. "Wer zu schnell öffnet, verstolpert den bisherigen Erfolg." Deswegen solle zunächst draußen angefangen werden: Außengastronomie, Veranstaltungen unter freiem Himmel, Zoos oder auch Sportveranstaltungen mit reduzierter Besucherzahl - "und natürlich immer mit Abstand und Hygiene".

Ab Sonntag haben vollständig gegen das Coronavirus geimpfte oder von der Krankheit genesene Menschen in Deutschland wieder mehr Freiheiten. Eine von Bundestag und Bundesrat in dieser Woche beschlossene Verordnung tritt dann in Kraft. Für die Geimpften und Genesenen entfallen damit Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen, sie werden zudem Menschen mit negativem Testergebnis gleichgestellt.

Der Städte- und Gemeindebund warnte derweil mit Blick auf Corona-Lockerungen vor einem "Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen". Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg brachte in der "Augsburger Allgemeinen" vom Samstag eine erneute Ministerpräsidentenkonferenz ins Spiel: "Wir erwarten jetzt, dass sich die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten möglichst auf ein einheitliches Vorgehen mit konkreten Öffnungsperspektiven verständigen."

Der Präsident des Deutschen Städtetags, der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung, forderte mehr Freiheiten nicht nur für Geimpfte und Genesene, sondern auch für Getestete. "Ich denke da besonders an Außengastronomie mit guten Abstands- und Hygienekonzepten", sagte er der "Passauer Neuen Presse" vom Samstag.

Jung warnte zudem vor einem Akzeptanzverlust bei den Corona-Beschränkungen: "Eins muss uns allen klar sein: Wenn die Bevölkerung in großen Teilen die Beschränkungen nicht mehr akzeptiert, kommen auch die Ordnungskräfte und die Polizei an ihre Grenzen."

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) sank die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bis Samstag auf 121,5, nachdem am Vortag ein Wert von 125,7 und eine Woche zuvor ein Wert von 148,6 gemeldet worden war. Binnen eines Tages wurden 15.685 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert.

Spahn sagte der "Rheinischen Post", er halte Deutschland für gut gerüstet gegen Varianten des Corona-Virus. Deutschland liege mittlerweile weltweit unter den Top-5-Ländern bei den Sequenzierungen. "Und wir sichern uns in den EU-Rahmenverträgen auch Impfstoffe, die auf Mutationen angepasst werden können", fügte der Gesundheitsminister hinzu."Wir sind für diese Szenarien gerüstet."

(xity, AFP)