Sozialverband startet Initiative gegen Pflegenotstand

Verbandschef Bauer erwartet "großen Wurf"

Der Sozialverband Deutschland hat erneut vor einem Pflegenotstand gewarnt.

Berlin - "Wenn der drohende Pflegenotstand in Deutschland noch abgewendet werden soll, muss die Bundesregierung in diesem Herbst einen großen Wurf wagen", erklärte Verbandspräsident Adolf Bauer zum Start einer neuen Initiative in Berlin. Nötig sei eine umfassende Pflegereform. Pflegebedürftige und Pflegende dürften von der Politik nicht länger vertröstet werden.

Bauer forderte "spürbare Verbesserungen". Dazu zähle die Stärkung der häuslichen Pflege, die Eingrenzung des Pflege-Armutsrisikos und Investitionen in die Pflegeberufe. Nötig sei zunächst aber eine neue Definition der Pflegebedürftigkeit, damit psychische Beeinträchtigungen wie Demenz künftig stärker berücksichtigt werden. Das neue Verfahren wird allerdings voraussichtlich erst 2017 umgesetzt. Auf der Internetseite www.sovd.de/meine-pflege veröffentlichte der SoVD Mustertexte mit Forderungen zur Pflege, die Bürger an Bundestagsabgeordnete schicken können.

Die von der Bundesregierung geplante Pflegereform sieht ab Januar 2015 Leistungsverbesserungen in der Pflegeversicherung sowie eine Anhebung des Beitragssatzes um 0,3 Prozentpunkte vor. Zu den neuen Leistungen gehören neben einer Erhöhung der Pflegesätze auch die bessere Unterstützung von Familien, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen. Zudem soll die Zahl der Betreuungskräfte in den Pflegeheimen deutlich aufgestockt werden. Geplant ist auch ein Vorsorgefonds, um für die geburtenstarken Jahrgänge vorzusorgen, die etwa ab 2030 in das Pflegealter kommen. In einer zweiten Stufe wird der Beitragssatz dann um weitere 0,2 Prozentpunkte erhöht.

Der Deutsche Berufsverband für Pflegekräfte warnte unterdessen vor einer weiteren Verschärfung des Fachkräftemangels. Pflegekräfte fehlten nicht nur in der mobilen Pflege, sondern auch in Krankenhäusern sowie Alten- und Pflegeheimen, sagte Verbandssprecherin Alexandra Kurka-Wöbking am Montag dem Radiosender MDR Info. "Der Markt ist leergefegt."

(xity, AFP)