Sozialverband fordert wegen möglichem Impfstoffmangel Priorität für Risikogruppen

Hausärzte kritisieren Lauterbach für Kommunikation

Angesichts von Meldungen über einen möglichen Impfstoffmangel gegen das Coronavirus hat der Sozialverband VdK gefordert, Risikogruppen bei der Booster-Impfung sofort vorzuziehen.

Berlin - "Wenn es im ersten Quartal des neuen Jahren tatsächlich zu wenig Impfstoff geben sollte, müssen jetzt dringend alle Risikogruppen bevorzugt geboostert werden", sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagsausgaben). Die Hausärzte kritisierten unterdessen die Kommunikationsweise von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).

Lauterbach (SPD) hatte am Dienstag erklärt, dass für das erste Quartal 2022 mit einem Mangel in Impfstoff zu rechnen sei. Wie schlimm dieser Mangel ausfallen soll, sagte er nicht. Am Mittwoch teilte sein Ministerium dann mit, dass 92 Millionen Dosen zusätzlicher Impfstoff für kommendes Jahr beschafft werden sollen. Am Donnerstag steht Lauterbach den Journalisten in der Bundespressekonferenz Rede und Antwort.

Noch immer warten laut VdK viele alte und andere gefährdete Menschen auf einen Termin für eine Impfauffrischung. Bentele betonte gegenüber den Funke-Zeitungen, die Situation sei für Risikogruppen "lebensgefährlich". Sie forderte ein einheitliches, abgestimmtes Vorgehen von Bund und Ländern.

Der Bundesvorsitzende des deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, zeigte sich in den Funke-Zeitungen "nicht begeistert" von der Art, wie Lauterbach den drohenden Impfstoffmangel kommuniziert hatte. "Als Ministerium ausschließlich das Problem zu melden ohne dazuzusagen, was man konkret tut, um das zu ändern, ist problematisch und wirkt sich auch auf die Impfbereitschaft aus".

Er erklärte: "Die einen bekommen Angst, dass sie nicht mehr geboostert werden können, die anderen nehmen Abstand von der Impfung, weil sie das Gefühl haben, es bringt nichts, sich darum zu bemühen." Das helfe nicht, sagte der Hausärzte-Vertreter den Funke-Zeitungen. "Die Botschaft muss sein, wir schaffen den Impfstoff ran."

Der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstagsausgabe) sagte er wiederum, dass es schon jetzt bei den Impfstoffen zu lokalen Engpässen komme. "Dass uns Impfstoffe fehlen, hat sich ja bereits länger abgezeichnet", sagte Weigeldt der Zeitung. "Wir haben auch aktuell teilweise nur 50 Prozent der bestellten Menge bekommen und es kommt zu regionalen Engpässen in unseren Praxen."

Weigeldt forderte, bei der Debatte über Auffrischungsimpfungen die Ungeimpften nicht zu vergessen. Dort gebe es nach wie vor "erhebliche Defizite". Die Quote der Erst- und Zweitgeimpften verharre "seit Wochen rund um 70 Prozent". Da sei "zu wenig Fokus darauf gelegt worden bis jetzt."

(xity, AFP)