21.10.2020 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> So sicher ist die Kirmes auf dem Sprödentalplatz

So sicher ist die Kirmes auf dem Sprödentalplatz

Bauaufsicht und TÜV kontrollieren Fahrgeschäfte

Bevor stets freitags die Krefelder Kirmes öffnet, wird auf dem Sprödentalplatz gewerkelt, was das Zeug hält.

Krefeld - Menschen zahlreicher Nationen bauen die vielen Fahrgeschäfte auf, damit rechtzeitig per Donnerschuss die Eröffnung gefeiert werden kann. Fast Hand in Hand arbeiten sie mit der städtischen Bauaufsicht und dem TÜV zusammen, der donnerstags und freitags die Gebrauchsabnahme durchführt. "Wir schauen an den beiden Tagen, ob richtig aufgebaut wurde“, erklärt Ismail Alkan, der seit sieben Jahren diesen Check mit seinem Kollegen Joachim Kisters durchführt. Kisters kommt sogar auf 30 Jahre, hat die Kirmes also mitwachsen gesehen. Dementsprechend bekannt sind die beiden auch und werden überall freundlich begrüßt. Unter den 121 Teilnehmern der Frühjahreskirmes wurden 13 Großfahrgeschäfte und ebensoviele Kinderfahrgeschäfte aufgebaut, dazu drei Lauf- und Schaugeschäfte sowie Schank- und Imbiss-Stände, Losbuden und weitere Spielgeschäfte. Alkan und Kisters nehmen sich die großen Fahrschäfte vor, Kollege Arno Adams die kleineren.
Für die meisten Geschäfte werden nur wenige Stunden gebraucht, bis sie stehen – so auch beim "Voodoo Jumper“. "Wir benötigen mit sechs Mann einen Tag, dann steht unser Geschäft“, sagt Hans-Otto Schäfer. Das Geschäft, das die Besucher wild durch die Luft wirbelt, ist noch flammneu: Vor zwei Jahren hat Schäfer der Herstellerfirma aus Italien 1,2 Millionen Euro gezahlt, seitdem tourt er damit über die Kirmesplätze. "Nach Krefeld kommen wir immer wieder gerne“, sagt der 39-Jährige, der den Familienbetrieb in dritter Generation führt. Mit ein Grund ist auch das kollegiale Verhältnis zu den Mitarbeitern der Bauaufsicht. Für Alkan und Kisters beginnt der Check eines Fahrgeschäfts stets mit dem Blick ins Baubuch, das hier, beim "Voodoo Jumper“ noch fast jungfräulich daher kommt. Ausgestellt werden die Baubücher von den Bauordnungsämtern, anhand der Daten und Vermerke können die beiden Diplom-Bauingenieure verfolgen, wo die jeweilige Attraktion bereits gestanden hat. Maßgeblich ist auch die Grundabnahme, die vom TÜV, je nach Größe des Geschäfts, jährlich bis fünfjährlich durchgeführt wird. Wie auf den Auto-Nummernschildern erhalten auch die Fahrgeschäfte Aufkleber, mit denen die Grundabnahme nachgewiesen wird. "Dabei werden die Geschäfte haarklein unter die Lupe genommen. Träger-Verbindungen und Schrauben werden geröntgt, denn nur so kann man wirklich sehen, ob alles sicher ist“, erklärt TÜV-Mitarbeiter Dirk Müller, der ein Elektro-Testgerät mitführt. "Mit ihm kann ich messen, ob die Stromleitungen richtig funktionieren. Gäbe es eine Störung, würde das Gerät dies sofort bemerken.“
Kisters und Alkans Blicke wandern zu den Sicherheitsbügeln des "Voodoo Jumpers“ und zu den Acht-Punkt-Acht-Schrauben. Stahlelemente werden angepackt und es wird Probe gesessen. Beim Testlauf klettern sie in den Unterbau, Unterpallung genannt, und achten auf die Standsicherheit. "Wir schauen auch, ob die Seitenwände sicher aufgebaut wurden. Schließlich darf sich hier bei einem Windstoß nichts lösen und herumfliegen“, sagt Alkan. Ob er auch das wilde Dschungel-Szenario mit allerhand Getier, Ur-Einwohnern und Vulkan bemerkt, das hier kunstvoll aufgemalt wurde? Für Hans-Otto Schäfer ist die Gebrauchsabnahme Routine. "Das erlebe ich doch nach jedem Aufbau. Ich weiß, dass das Gerät sicher ist und auch sicher aufgebaut wurde, also habe ich nichts zu befürchten.“ Hat er auch nicht. Kisters, Alkan und Müller geben grünes Licht – und den wichtigen Stempel ins Baubuch. Weiter zum nächsten Geschäft. "Normalerweise laufen wir den normalen Weg ab, aber wir wurden gerade gebeten, ein Geschäft vorzuziehen. Da wollen wir mal nicht so sein“, sagt Kisters. Es ist auch das gute Miteinander aller Beteiligten, das die Kirmes hier auf dem Sprödentalplatz auszeichnet.
Marvin Dreßen hatte die Bauaufsicht schon gesucht. "Gleich ist die Eröffnung, vorher muss ich noch ein paar Dinge erledigen“, sagt der 23-Jährige vom "Schlager-Express“, der, wo sollte es auch anders sein, in der "Dreßen-Ecke“, also am süd-westlichen Ende des Sprödentalplatzes, steht. "Mein Onkel hat hier seit Jahren seinen Gaststätten-Betrieb, wir den ‚Schlager-Express’. Uns kennt man hier. Die Krefelder Kirmes ist eine schöne Veranstaltung, da hängt Herzblut dran.“ Immerhin, der Schlager-Express wurde 1971 gebaut und erhält seitdem alle zwei Jahre das TÜV-Siegel. Alkan, Kisters und Müller laufen das Rundfahrgeschäft ab und überprüfen jeden Wagenverschluss, die Splinte und die Bolzen. "Splinte und Bolzen sind mein Hobby“, sagt Kisters mit einer fast kindlichen Begeisterung, um dann auch hier in der Unterpallung zu verschwinden. "Geben Sie mal Vollgas“, sagt er zu Dreßen, der den "Schlager-Express“ dann mit Karacho über die Köpfe der Kontrolleure sausen lässt. "Ich habe nichts zu verheimlichen. Diese Kontrollen sind wichtig, dazu kommt unsere jahrzehntelange Erfahrung. Erst kürzlich haben wir alles röntgen lassen. Der nächsten Grundabnahme im August sehe ich gelassen entgegen“, schildert Dreßen, der übrigens selber in der Kabine sitzt, wenn sich das Kult-Karussell dreht. "Ich suche den Kontakt zu unseren Besuchern und spiele gerne mit ihnen. Das macht mir einfach Spaß.“

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