Snowden mit Carl-von-Ossietzky-Medaille ausgezeichnet

Kuratorium würdigt Aufdeckung staatlicher Überwachung

Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden erhält für seine Enthüllungen über die Überwachungspraxis von Seiten der USA die Carl-von-Ossietzky-Medaille.

Berlin - Das teilte das Kuratorium der Internationalen Liga für Menschenrechte, das die Auszeichnung vergibt, in Berlin mit. "Edward Snowden hat mit seinen historisch einmaligen Enthüllungen die umfangreichste verdachtsunabhängige Überwachung aller Zeiten aufgedeckt", hieß es zur Begründung.

Die Preisverleihung soll am 14. Dezember in Berlin stattfinden. Snowden hatte die Massenüberwachung elektronischer Kommunikation durch den US-Geheimdienst NSA publik gemacht. Er wird deswegen in den USA strafrechtlich verfolgt und lebt derzeit in Russland im Asyl. Snowden war zuvor bereits unter anderem mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden.

Neben Snowden erhalten auch zwei seiner Vertrauten die Carl-von-Ossietzky-Medaille, die Dokumentarfilmerin Laura Poitras und der Journalist Glenn Greenwald. Poitras hat unter anderem einen Film über Snowden und seine Enthüllungen gedreht, Greenwald hatte die von Snowden übermittelten Geheimdokumente aufbereitet und an den britischen "Guardian" weitergegeben. Alle Ausgezeichneten sind US-Bürger.

Mit der Medaille werden mindestens alle zwei Jahre Menschen oder Gruppen ausgezeichnet, die sich durch Zivilcourage und herausragendes Engagement für die Grund- und Menschenrechte sowie für den Frieden verdient gemacht haben. Die Auszeichnung erinnert an Carl von Ossietzky, der zur Zeit der Weimarer Republik als Publizist für Frieden und demokratische Transparenz eingetreten war.

Wegen der Veröffentlichung eines Artikels über geheime Machenschaften der Reichswehr war Ossietzky zu einer Haftstrafe verurteilt und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in ein Konzentrationslager eingewiesen worden. 1935 erhielt er den Friedensnobelpreis, 1938 starb er an einer Tuberkulose-Erkrankung, die er sich in der Haft zugezogen hatte. International war seine Verfolgung auf heftigen Protest gestoßen, besonders auch in den USA.

(xity, AFP)