Sechstes Todesopfer nach Hochwasser in Niederbayern geborgen

Aufräumarbeiten in vollem Gang - Lage in NRW entspannt

Nach dem verheerenden Hochwasser in Niederbayern mit mindestens sechs Toten sind am Freitag die Aufräumarbeiten in vollen Gang gekommen.

Berlin - Hunderte Helfer versuchten in den betroffenen Orten wieder normale Zustände herzustellen. Noch immer wurden zwei Menschen vermisst. In Nordrhein-Westfalen entspannte sich derweil die Lage in den Hochwassergebieten am Niederrhein.

Am Donnerstagabend entdeckten Helfer im am stärksten vom Hochwasser betroffenen Simbach am Inn die Leiche eines als vermisst geltenden 65 Jahre alten Manns. Noch immer erfolglos blieb die Suche nach einem ebenfalls in Simbach vermissten älteren Ehepaar. Hier fürchtet die Polizei ebenfalls, dass jede Hilfe zu spät kommen würde.

Der Landrat von Rottal-Inn, Michael Fahmüller (CSU), beschrieb die Lage im Katastrophengebiet als inzwischen relativ ruhig. In der Nacht zum Freitag seien keine Auffälligkeiten aufgetreten, nach zwei Vorfällen mit Plünderern am Donnerstag habe es auch keine weiteren Plünderungen gegeben.

Neben dem Entfernen von Schlamm, Unrat, Gebäudetrümmern und weggeschwemmten Autos konzentrierten sich die Helfer am Freitag besonders auf die Wiederherstellung der Trinkwasserversorgung. Im Laufe des Tages sollte ein Damm des Flusses Inn geöffnet werden, um von dort Wasser ablaufen zu lassen und damit die Trinkwasserbrunnen der Stadt Simbach wieder zugänglich zu machen. Das Technische Hilfswerk baute zur Versorgung der Bevölkerung eine Anlage zur Trinkwasseraufbereitung auf.

In der Region im Katastrophengebiet sind nach wie vor rund 450 Kräfte von Freiwilligen Feuerwehren, 120 Kräfte des Technischen Hilfswerks und rund hundert Polizisten im Einsatz. Dazu kommen viele ehrenamtliche Helfer.

In Nordrhein-Westfalen pumpten Einsatzkräfte in der Nacht zum Freitag weiter Wasser aus dem Fluss Issel ab, um den durchgeweichten Deich in Hamminkeln zu entlasten. Die Pegelstände der Issel sanken leicht, wie der Landkreis Wesel mitteilte.

"Die Lage ist nach wie vor angespannt, da die Dämme an der Issel gesättigt sind", erklärte die Kreisverwaltung. Die Lage sei aber "stabil mit leichter Tendenz Richtung Entspannung". Die weitere Entwicklung werde nun vom Wetter abhängen.

Bei einem heftigen Gewitter in Krefeld waren am Donnerstag auf einem Betriebsgelände zwei Männer von einem Blitz getroffen und schwer verletzt worden. Sie wurden in ein Krankenhaus gebracht.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte im RBB weitere Maßnahmen zum Schutz der Menschen an. Es müsse geprüft werden, ob es möglich sei, früher Warnungen an die Bevölkerung herauszugeben, beispielsweise per Handy-Mitteilungen. "Wir werden über solche Dinge nachdenken."

Der Wetterdienst sage allerdings, er könne das Wetter für einen ganzen Landkreis einigermaßen vorhersagen, aber nicht für eine einzelne Gemeinde. Kritik am Hochwasserschutz wies Herrmann zurück. Solche Überschwemmungen habe niemand für möglich gehalten.

(xity, AFP)