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Schritt für Schritt zur beruflichen Kompetenz

"Flüchtlinge und Arbeitsmarktintegration"

Am Freitag, 19. Februar 2016, informierte die Agentur für Arbeit Düsseldorf über die Angebote und Projekte des Netzwerkes "Flüchtlinge und Arbeitsmarktintegration".

Schritt für Schritt zur beruflichen Kompetenz

Düsseldorf - Aus dem übereinstimmenden Verständnis, dass die Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen eine Gemeinschaftsaufgabe und eine Chance für die Düsseldorfer Wirtschaft ist, hat sich ein Netzwerk aus Arbeitsverwaltung, Stadt, Wirtschaft, Wohlfahrtsverbänden und Gewerkschaft etabliert. Die Allianz bündelt alle Kompetenzen, um die Integration von Flüchtlingen in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu ermöglichen. "Trotz der Bündelung aller lokaler Kompetenzen wird die Integration in vielen Fällen eher eine Frage von Monaten als von Tagen sein", schätzt Roland Schüßler, Chef der Agentur für Arbeit Düsseldorf, die Zeitschiene ein.
 
In einem ersten Schritt gehe es nun darum, die Kompetenzen und den Ausbildungsstand der geflüchteten Menschen festzustellen und - im wahrsten Sinne des Wortes - für den deutschen Arbeits- und Ausbildungsmarkt zu übersetzen.
 
Bei nahezu allen Flüchtlingen sind die deutschen Sprachkenntnisse nicht ausreichend. Insofern steht die Sprachförderung an erster Stelle. Hierfür gibt es in Düsseldorf bereits ein breites Angebot, welches sich laufend erweitert. Nach bisherigen Erkenntnissen verfügen nur wenige Flüchtlinge über eine berufliche Qualifikation, die in Deutschland als Facharbeiter oder höher anerkannt ist. Jedoch liegen insbesondere im handwerklichen Bereich vielfältige Qualifikationen unterhalb des Gesellenbriefes vor, die - transparent gemacht - beruflich eingesetzt werden können.
 
Mit Blick auf die Zeitschiene hält Schüßler die Kombination von Sprachlehrgängen mit beruflichen Inhalten für zwingend erforderlich. Hier setzt die Allianz an. "Gerade zur Feststellung von beruflichen Kompetenzen und deren Förderung gibt es in unserem Netzwerk einen breiten Instrumentenmix. Arbeitsagentur und Jobcenter unterstützen mit zusätzlich zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln den Eingliederungsprozess mit passgenauen Orientierungs-  und Qualifizierungsangeboten schon während der Sprachförderung", so Schüßler.
 
"Und natürlich", ergänzt Ingo Zielonkowsky, der Chef des Düsseldorfer Jobcenters, "stehen uns ausreichende finanzielle Ressourcen für die Arbeitsmarktintegration zur Verfügung, um sowohl den Flüchtlingen als auch den anderen Kundinnen und Kunden des Jobcenters die notwendigen Unterstützungen für eine Integration in den Arbeitsmarkt anbieten zu können. Dies gilt auch für den Eingliederungszuschuss, der bei einstellungswilligen Betrieben ein wichtiges Instrument zur Arbeitsmarktintegration darstellt."
 
"Die Stadt engagiert sich nicht nur bei der Unterbringung von Flüchtlingen, sondern schließt auch Förderlücken bei Sprachkursen. Wir haben einen Topf von 750.000 Euro zur Verfügung, der dann genutzt werden kann, wenn kein anderer Fördergeber zur Verfügung steht", ergänzte Miriam Koch, Flüchtlingsbeauftragte der Landeshauptstadt Düsseldorf.
 
"Ich bin überzeugt, dass es uns gelingen kann, die Flüchtlinge in die Betriebe zu integrieren. Es gibt bereits heute gute Ansätze. Die Wirtschaft ist bereit, hier ihren Beitrag zu leisten, dafür gibt es bereits genügend Beispiele. Neben der Sprache ist allerdings Voraussetzung, dass die Qualitätsstandards unserer Ausbildungsinhalte übernommen werden, auch wenn es letztendlich noch richtig Zeit dauern wird bis zur vollständigen Integration in den Betrieben", so Michael Grütering, Hauptgeschäftsführer der Düsseldorfer Arbeitgeberverbände e.V.
 
"Viele Handwerksbetriebe wollen Flüchtlingen mit Bleibeperspektive im Rahmen eines Praktikums eine erste Chance zum praxisnahen Einstieg in eine Ausbildung oder ein qualifiziertes Beschäftigungsverhältnis verschaffen. Diese Unternehmen können jetzt in einer neuen Praktikumsdatenbank unter www.iq-netzwerk-nrw.de/integrationsbetrieb mit wenigen Einträgen ihren Praktikumsplatz einstellen", informierte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, Dr. Axel Fuhrmann.
 
"Für die Integration von Flüchtlingen in den Ausbildungsmarkt eignen sich vor allem Praktika und Einstiegsqualifizierungen. Denn diese geben beiden Seiten Gelegenheit, um sich kennen und wertschätzen zu lernen. Dazu berät die Industrie- und Handelskammer ihre Mitgliedsunternehmen. Darüber hinaus unterstützt sie die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt, indem sie ausländische Zeugnisse mit deutschen Ausbildungsabschlüssen vergleicht. Ziel dabei ist es, im Ausland erworbene Abschlüsse für den deutschen Arbeitsmarkt transparent zu machen, damit interessierte Arbeitgeber und ausländische Bewerber rascher zueinander finden", erläuterte Gregor Berghausen, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer zu Düsseldorf.
 
"Die starke Zuwanderung wird unseren Ausbildungsmarkt verändern. Deshalb müssen Flüchtlinge zuerst unsere Sprache und unser Ausbildungssystem kennenlernen. Spätestens ab 2017 ist dann aus meiner Sicht mit mehr Flüchtlingen auf dem Ausbildungsmarkt zu rechnen. Konkurrenz zwischen Geflüchteten und Einheimischen dürfen wir da nicht zulassen. Darüber hinaus sind mehr Ausbildungsplätze vor allem in Betrieben aber auch außerhalb dringend nötig. Hier bedarf es einer professionellen Ausbildungsbegleitung durch Agentur und Jobcenter", so Sigrid Wolf, DGB-Stadtverbandsvorsitzende in Düsseldorf.
 
"Die Düsseldorfer Wohlfahrtsverbände engagieren sich schon seit vielen Jahren in der Flüchtlingshilfe und in der Beschäftigungsförderung. Die Integration in Ausbildung und Arbeit ist ein wesentlicher Bestandteil für die gesellschaftliche Integration der geflüchteten Menschen. Es ist von großer Bedeutung, früh mit passenden Angeboten wie z. B. Sprachkursen, Qualifizierungen und Unterstützung bei der Arbeits- und Ausbildungsplatzsuche zu beginnen. Wir erleben, dass die Flüchtlinge mit hoher Motivation zu uns kommen. Als große Arbeitgeber bieten die Wohlfahrtsverbände auch selbst Ausbildungs- und Praktikumsstellen sowie Arbeitsplätze in attraktiven Berufen", erläuterte Pfarrer Thorsten Nolting, Sprecher der Liga der Wohlfahrtsverbände Düsseldorf.


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