Sanierung oder Neubau?

Bürgerwerkstatt zum Seidenweberhaus

Rund 120 Krefelder haben in einer Bürgerwerkstatt über die Zukunft des Seidenweberhauses und des Theaterplatzes diskutiert.

In neun Arbeitsgruppen entwickelten sie am vergangenen Samstag im Stadttheater Ideen für das Gebäude und sein Umfeld. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, ob eine Sanierung sinnvoll ist oder eher ein Abriss und Neubau in Erwägung gezogen werden soll. Für beide Varianten fanden sich in den einzelnen Gruppen Befürworter und Gegner. Bei den Präsentationen am Ende der Veranstaltung ließ sich eine leichte Mehrheit für einen Neubau ausmachen. Dabei blieb allerdings offen, ob eine neue Veranstaltungshalle an gleicher Stelle oder an einem anderen Standort gebaut werden sollte.

Krefeld - Am Morgen hatte Oberbürgermeister Frank Meyer die Teilnehmer im Glasfoyer des Theaters begrüßt. "Indem Sie das Allgemeinwesen zu Ihrer Angelegenheit erklären, werden Sie zu Pionieren", betonte er in seiner Rede. "Denn das Verfahren zur Bürgerbeteiligung beim Seidenweberhaus taugt als Blaupause für Mitbestimmung: Mir ist es ungeheuer wichtig, dass die Krefelderinnen und Krefelder mitreden und selbst Verantwortung übernehmen. Dies ist Ihre Stadt, dies ist unsere Stadt - und wir alle können dazu beitragen, sie Stück für Stück besser zu machen."

Der Oberbürgermeister ließ die Geschichte des Seidenweberhauses in seiner Rede Revue passieren, betonte einerseits die "Glanzmomente" wie die Philadelphiade im Jahr 1983, andererseits den Status des Hauses als hochgradig umstrittenes Gebäude: "Viele Krefelderinnen und Krefelder verbinden gute Erinnerungen mit dem Seidenweberhaus, für andere ist es nur ein ,hässlicher Betonklotz'. Die Menschen diskutieren mit Herzblut, aber auch mit Galle darüber." Gerade daran könne man ablesen, dass die Bürger mitreden möchten: "Nutzen Sie heute die Gelegenheit, ein wichtiges Stück Krefeld mitzugestalten." Zuvor hatte Michael Grosse, Generalintendant des Theaters Krefeld und Mönchengladbach, die Bürger im Theater als "Ort des Dialogs und Diskurses" begrüßt: "Die heutige Veranstaltung wird sicher dazu beitragen, diese Stadt voran zu bringen."

Der städtische Baudezernent Martin Linne führte anschließend in die Diskussion ein, indem er kurz die Varianten skizzierte. Beim Erhalt des Hauses müsse die ?notwendige Instandsetzung" ab spätestens 2019 erfolgen, weil Technik und Bausubstanz sanierungsbedürftig seien. Bei einem Abriss sei unter anderem die Frage zu beantworten, wo, in welcher Größe und für welche Nutzungen ein Neubau errichtet werden könne. Gemeinsam mit dem Architekten Lukas Hampl vom Düsseldorfer Büro RKW Architektur + Städtebau erläuterte Martin Linne die Talente und Restriktionen des Seidenweberhauses und seines Umfelds und stellte drei Szenarien vor, die in einer Expertenwerkstatt im Oktober entwickelt worden waren. Nach einer kurzen Gesprächsrunde mit Vertretern der Krefelder Bürgervereine begann am Mittag die Diskussion in den Arbeitsgruppen.

Nach Auskunft von Organisatoren und Teilnehmern lief die Diskussion teilweise kontrovers, aber konstruktiv, fair und fachkundig ab. Bei den Präsentationen am Ende meldeten sich Befürworter beider Varianten zu Wort. Im Falle eines Abrisses und Neubaus bevorzugten viele eine etwas kleinere Veranstaltungshalle mit einer Zuschauerkapazität von 1000 statt bisher 1400 Personen. Als möglicher Alternativstandort wurde das Areal hinter dem Hauptbahnhof ins Gespräch gebracht. Für den Fall einer Sanierung gab es viele Stimmen, die eine deutliche Reduzierung des jetzigen Baukörpers forderten. Wichtige Faktoren in der Diskussion waren die Sichtachse vom Rathaus zum Ostwall entlang der Carl-Wilhelm-Straße und die künftige Rolle der St.-Anton-Straße. Viele Bürger empfinden diese Straße als Barriere und wünschen sich eine Verkehrsberuhigung oder alternative Überquerungsmöglichkeiten. Weitgehend einig waren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer darin, dass der Theaterplatz barrierefrei gestaltet und durch Märkte und Außengastronomie belebt werden müsse.

Die Fachbereiche Stadtplanung und Gebäudemanagement sowie das Büro Frauns aus Münster, das die Bürgerwerkstatt mit vorbereitet und betreut hatte, werden die Ergebnisse nun auswerten und zusammenstellen. Ab 13. April werden diese Ergebnisse etwa zwei Wochen lang in der Mediothek präsentiert und parallel auch im Internet veröffentlicht. Die Bürger haben dann erneut die Chance, zu kommentieren und Ideen einzubringen. Abschließend werden die Stadtplaner den gesamten Prozess auswerten und daraus Vorschläge für das weitere Verfahren erarbeiten.