12.12.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Rund 260 Kliniken droht offenbar bis 2020 das Aus

Rund 260 Kliniken droht offenbar bis 2020 das Aus

Studie: Aber keine Gefahr für Versorgungssicherheit

Die deutschen Kliniken haben zunehmend wirtschaftliche Probleme.

Berlin - Laut einer Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) droht rund 13 Prozent der Krankenhäuser bis 2020 das Aus. Bei insgesamt 2017 Kliniken im Jahr 2012 wäre damit die Existenz von rund 260 Häusern gefährdet.

Der Untersuchung zufolge schwebten 2012 gut 16 Prozent der Kliniken in erhöhter Insolvenzgefahr. Zwei Jahre zuvor waren es nur halb so viele. 35 Prozent der Krankenhäuser schrieben 2012 einen Jahresverlust, das waren mehr als doppelt so viele wie zwei Jahre zuvor.

Die vor der Bundestagswahl 2013 beschlossenen Finanzhilfen für Krankenhäuser tragen laut RWI derzeit zwar zur Entspannung der Lage bei. Bereits 2015 drohe ohne Gegenmaßnahmen aber wieder eine Verschlechterung, weil die Kosten stärker stiegen als die Erlöse und zu wenig investiert werde. Fast die Hälfte der Kliniken konnte demnach 2012 nicht einmal ausreichend investieren, um die eigene Substanz zu erhalten. Die Autoren der Studie schätzen den Investitionsstau auf aktuell 15 Milliarden Euro.

Die Krankenhäuser werfen den Bundesländern seit langem mangelnde Investitionsbereitschaft vor. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) bezifferte den jährlichen Finanzierungsbedarf für Investitionen auf rund sechs Milliarden Euro. Die Länder stellten zuletzt nur knapp die Hälfte bereit.

Wie der Krankenhaus Rating Report weiter zeigt, sieht die Finanzlage der ostdeutschen Kliniken insgesamt besser aus. In vielen Regionen seien die Krankenhausstrukturen durch "zu viele kleine Einheiten, eine zu hohe Krankenhausdichte und eine zu geringe Spezialisierung" ungünstig. Die Bettenauslastung lag laut Studie bei 77 Prozent.

Um die Überlebensfähigkeit der Kliniken zu sichern, forderten die Experten einen hohen Spezialisierungsgrad und eine stärkere Vernetzung der Häuser. Auch Schließungen seien denkbar. Würde jedes siebte Krankenhaus aufgegeben, läge die Krankenhausdichte in Deutschland immer noch im Durchschnitt der europäischen OECD-Länder. Derzeit sei die Krankenhausdichte in Deutschland "so hoch, dass eine geringere Anzahl von Kliniken selbst in ländlichen Regionen meist keine Gefahr für die Versorgungssicherheit bedeutet", heißt es in der Studie.

Die RWI-Experten schlagen einen Investitionsfonds auf Bundesebene vor, der aus Mitteln der Krankenversicherungen oder Steuermitteln gespeist wird. Darüber könnten Investitionen gefördert und Umstrukturierungen oder Schließungen von Kliniken abgefedert werden. Einen ähnlichen Vorstoß für einen Umstrukturierungsfonds hatte es bereits von Seiten der Länder gegeben.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) mahnte erneut eine Aufstockung der Investitionsmittel an. Auch der Bund müsse sich am finanziellen Mehrbedarf der Kliniken in Höhe von rund drei Milliarden Euro beteiligen.

Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn betonte, bei der anstehenden Krankenhausreform habe die Koalition auch die wirtschaftliche Situation der Kliniken im Blick. "Klar ist, dass immer neues Geld nach dem Gießkannenprinzip ins System zu geben keine Lösung ist", betonte er. Am Montag tagt die zuständige Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum zweiten Mal.

(xity, AFP)


Copyright 2018 © Xity Online GmbH