18.10.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Roth: Wagenknecht spielt sozial Schwache gegeneinander aus

Roth: Wagenknecht spielt sozial Schwache gegeneinander aus

Grünen-Politikerin kritisiert Initiatorin für linke Sammlungsbewegung

Die Grünen-Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth wirft der Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht vor, mit ihrer linken Sammlungsbewegung "Aufstehen" sozial Schwache gegeneinander auszuspielen.

Berlin - Zwar teile sie die Einschätzung, dass Deutschland ein Gerechtigkeitsproblem habe, sagte Roth den Zeitungen des Redaktionsnetzwerkes Deutschland (RND) vom Donnerstag.

Es nehme aber kein Geflüchteter den Arbeitslosen etwas weg, wie Wagenknecht und der Theatermacher Bernd Stegemann durchklingen ließen, fügte Roth hinzu. "In einem solchen Land stiehlt der Obdachlose auch nichts der Rentnerin", sagte die Grünen-Politikerin. "Vielmehr nehmen wenige Superreiche und eine Politik, die diesen Zustand akzeptiert oder gar fördert, der Gesellschaft die Möglichkeit, für mehr Solidarität und Zusammenhalt zu sorgen."

Wagenknecht und Stegemann hatten sich in einem Gastbeitrag für die "Nordwest-Zeitung" auch gegen die "allgemeine Moral einer grenzenlosen Willkommenskultur" gewandt. Eine realistische linke Politik unterstütze zwar die vielen freiwilligen Helfer in der Zivilgesellschaft, die sich um die Integration der Flüchtlinge kümmern, hieß es in dem Beitrag. Sie lasse sich aber "nicht von kriminellen Schlepperbanden vorschreiben, welche Menschen auf illegalen Wegen nach Europa gelangen".

Roth warf Wagenknecht vor, mit ihrer Rhetorik die Spaltung der Gesellschaft zu befördern. Wer Geflüchtete gegen Sozialhilfeempfänger auszuspielen versuche, "der handelt im Widerspruch zum emanzipatorischen und internationalistischen Selbstverständnis linker Politik". Wagenknecht relativiere Grundwerte. "Wer glaubt, es gebe auch ein bisschen Willkommenskultur oder ein halbes Grundrecht auf Asyl, der täuscht sich - oder will seine Leserinnen und Leser täuschen", sagte Roth.

Wagenknecht bereitet derzeit gemeinsam mit ihrem Ehemann Oskar Lafontaine eine Sammlungsbewegung vor, die sich nicht nur an Anhänger der Linkspartei richtet. Die Initiative stößt auf ein breites Echo, es gibt aber bei der Linken ebenso Vorbehalte wie bei Grünen und SPD.

(xity, AFP)


Copyright 2018 © Xity Online GmbH