Rehkitze retten mit moderner Technik

Neuerdings werden auch Drohnen eingesetzt

Jahr für Jahr sterben Rehkitze bei der Mahd durch Mähdrescher, weil sie im hohen Gras übersehen werden.

Wertheim - Jahr für Jahr sterben Rehkitze bei der Mahd durch Mähdrescher, weil sie im hohen Gras übersehen werden. Damit in Wertheim möglichst wenig Kitze zu Schaden kommen, arbeiten Jäger und Bauern schon lange zusammen. Gemeinsam gehen sie auf die Suche nach den jungen Rehen – neuerdings auch mit einer Drohne. Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez war bei einem Testflug in Waldenhausen vor Ort.

Die Anregung, sich näher mit der Rehkitzrettung auseinanderzusetzen, kam aus der Bürgerschaft: Eine Schülerin hatte das Thema an Oberbürgermeister Markus Herrera Torrez herangetragen. Nun traf er sich, begleitet vom städtischen Umweltbeauftragten Jens Rögener, in Waldenhausen mit Wertheims Kreisjägermeister Hubertus Lotz und dem Waldenhäuser Landwirt und Geschäftsführer des Bauernverbandes im Main-Tauber-Kreis, Stefan Fröber, sowie mit Drohnenpilot Christian König. „Das Thema ist für uns schon seit mehr als 30 Jahren relevant“, betonte Lotz. „Die Landwirte haben natürlich kein Interesse daran, ein Lebewesen zu verletzen. Außerdem sind sie rechtlich dazu verpflichtet, dass kein Tier zu Schaden kommt“, erläuterte Lotz.

Dass besonders oft Rehe Opfer von Mähdreschern werden, liegt an deren natürlichen Verhaltensweisen. Die Rehmutter legt das Kitz ab und verlässt es. Durch die gefleckte Fellfärbung ist es im Gras gut getarnt. Ist das Kitz noch jung, duckt es sich, sollte sich ein Fressfeind nähern – fatal, wenn es sich dabei um einen Mähdrescher handelt.

 Steht eine Mahd an, gibt es die Möglichkeit, am Vorabend die Felder abzugehen und die Rehe zu vergrämen – etwa indem man einen Hund mitnimmt oder Flatterfahnen aufstellt. „Diese altbewährte Vorgehensweise wird auch immer noch praktiziert“, schilderte Lotz. „Und sie funktioniert gut. In den 17 Jahren, in denen ich Mähdrescher fahre, wurde nur ein Kitz übersehen“, fügte Fröber hinzu. Doch auch moderne Techniken finden immer häufiger Anwendung. Mittlerweile gibt es Sensoren für die Mähbalken, die das Mähwerk hochziehen, wenn sich ein Rehkitz davor befindet. Und auch Drohnen kommen zum Einsatz: Mit Wärmebildkameras ausgestattet können sie die Rehkitze aufspüren.

Eine solche Drohne befindet sich nun im Besitz der Kreisjägervereinigung Wertheim. Braucht ein Landwirt Unterstützung bei der Kitzsuche, meldet er sich beim Verein. Gemeinsam mit einem Drohnenpiloten und einem Jagdpächter macht der Landwirt sich dann auf die Suche. Gegebenenfalls wird die Gruppe noch um weitere Helfer ergänzt. Diese Helfer müssen verlässlich und flexibel sein. „Es ist nicht immer planbar, wann ein Feld auf Rehkitze untersucht werden muss. Oft muss es dann schnell und auf Zuruf passieren“, erklärte Lotz. Gerade wenn es darum geht, die Wiesen abzulaufen und die Rehkitze zu finden, ist Erfahrung von Bedeutung. „Man braucht da ein geschultes Auge“, fügte er hinzu. Wer sich also bei der Rehkitzrettung engagieren will, sollte auch langfristig dabeibleiben.

„Da die Mähtermine oft parallel stattfinden und es so Überschneidungen gibt, ist die eine Drohne jedoch nur ein Anfang“, legte Lotz dar. Außerdem wolle man sich nicht auf die Suche per Drohne beschränken. „Wir wollen herausfinden, was gute Methoden sind“, führte er weiter aus. „Wir wollen den Werkzeugkasten gefüllt halten, also alle Maßnahmen berücksichtigen“, ergänzte Fröber.

Interessierte, die mehr erfahren wollen oder bei der Rehkitzrettung mithelfen wollen, können sich melden bei Hubertus Lotz, Telefon 09341 / 8022000, E-Mail: Lotz-Hubertus@t-online.de und Stefan Fröber, Telefon 09341 / 9254-0, E-Mail: froeber@lbv-bw.de.