Regierung will "Mondpreise" bei neuen Arzneimitteln eindämmen

Zahl der Kinderarzneien soll erhöht werden

Die Bundesregierung will die Preise für neue Arzneimittel eindämmen und die Zahl der Kindermedikamente erhöhen.

Berlin - Das sind Ergebnisse des Pharmadialogs mit Vertretern aus Forschung, Pharmaindustrie und Gewerkschaften, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurden. Auch die immer wieder auftretenden Lieferengpässe bei Arzneimitteln und Impfstoffen sollen künftig effektiver bekämpft werden.

Im Rahmen des Pharmadialogs waren in den vergangenen anderthalb Jahren verschiedene Themenschwerpunkte diskutiert worden. Darunter waren die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen, die Erforschung neuer Wirkstoffe und die Preisgestaltung bei Arzneimitteln.

Seit langem schon kritisieren die gesetzlichen Krankenkassen die hohen Arzneimittelpreise. Pharmahersteller in Deutschland können in den ersten zwölf Monaten nach der Zulassung eines neuen, innovativen Medikaments den Preis selbst festlegen. Erst danach werden die zwischen Kassen und Herstellern ausgehandelten günstigeren Erstattungsbeträge wirksam.

Für diese teuren neuen Arzneien will Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) nun eine Umsatzschwelle einführen. Wird diese bereits vor Ablauf der Jahresfrist überschritten, gilt der günstigere Erstattungsbetrag. Unklar ist noch die konkrete Höhe, das Bundesgesundheitsministerium strebt aber eine Schwelle deutlich unter 500 Millionen Euro an.

Die Kassen begrüßten dies. "Die Arzneimittelpreise sind Kostentreiber, die langfristig zu höheren Krankenkassenbeiträgen führen können", erklärte Barmer-Vorstandschef Christoph Straub. Auch AOK-Chef Marin Litsch forderte einen "Preisanker, damit die Arzneimittelkosten in den ersten zwölf Monaten nicht weiter in die Höhe schießen". Ob die geplante Umsatzschwelle "mehr als ein Placebo" sei, hänge aber auch vom konkreten Begrenzungswert ab.

Die Kassen hatten in der Vergangenheit immer wieder gefordert, dass die ausgehandelten Preise sogar bereits vom ersten Tag der Zulassung an gelten sollten.

Erhöht werden soll darüber hinaus die Zahl der für Kinder geeigneten Arzneimittel. Bis heute werden bei Kindern und Jugendlichen viele Arzneimittel eingesetzt, die nur an Erwachsenen geprüft wurden. Von den schätzungsweise 45.000 Arzneimitteln auf dem deutschen Markt wurden nur etwa 20 Prozent gesondert auf ihre Eignung für Kinder getestet und zugelassen. Die Besonderheiten von Kinderarzneien sollen bei der Nutzenbewertung künftig noch besser berücksichtigt werden.

Vereinbart wurde auch, stärker gegen Lieferengpässe vorzugehen. Dazu soll eine Liste besonders versorgungsrelevanter, engpassgefährdeter Arzneimittel erstellt werden. Die Pharmahersteller sollen die Zulassungsbehörden und Kliniken frühzeitig über drohende Lieferengpässe bei wichtigen Wirkstoffen informieren. Sollte es keine Verbesserungen geben, will das Gesundheitsministerium die Einführung einer gesetzlichen Meldepflicht prüfen. Zwar gibt es schon ein Melderegister, dies ist aber bislang freiwillig.

Bei einigen Medikamenten und Impfstoffen hatte es in den vergangenen Jahren Lieferengpässe gegeben. Betroffen waren unter anderem Krebsmittel, Antibiotika, Schilddrüsenhormone und ein Windpocken-Impfstoff. Das Gesundheitsministerium will nun "mehr Transparenz" schaffen, betonte aber, dass bei Lieferproblemen meist alternative Arzneimittel verfügbar seien.

Darüber hinaus soll der zielgenaue Einsatz von Antibiotika gefördert werden, um Resistenzen zu verhindern. Antibiotikaresistenzen sind ein zunehmendes Problem. Sie führen dazu, dass bakterielle Infektionen schwerer oder auch gar nicht mehr zu behandeln sind, weil Antibiotika ihre Wirksamkeit verlieren.

(xity, AFP)