14.12.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Rechtsextremist Tino Brandt sagt im NSU-Prozess aus

Rechtsextremist Tino Brandt sagt im NSU-Prozess aus

Ehemaliger V-Mann berichtet aus rechter Szene

Im NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München hat die auf drei Tage angelegte Zeugenvernehmung des Neonazis und früheren Verfassungsschutz-Spitzels Tino Brandt begonnen.

München - Der nach der Wiedervereinigung zu den führenden Köpfen der rechtsextremen Szene in Thüringen zählende Brandt schilderte zu Beginn seiner Vernehmung, wie er Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe kennenlernte. Die mutmaßlichen Rechtsterroristen nahmen demnach regelmäßig an Treffen des rechtsextremen "Thüringer Heimatschutz" teil.

Brandt sagte, die drei hätten zur "Kameradschaft Jena" gehört, die Teil des "Thüringer Heimatschutzes" gewesen sei. Er habe Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe bei Stammtischen und Schulungen der Rechtsextremen in Thüringen wiederholt getroffen. Mundlos sei dort als "nationaler Sozialist" aufgetreten. "Er hat sich für die damaligen Ideale der NSDAP durchaus eingesetzt." Böhnhardt sei etwas schweigsamer gewesen. Zschäpe sei zwar ebenfalls eher zurückhaltend gewesen, sie habe aber durchaus Wissen etwa zum Thema Germanentum gezeigt. Zschäpe sei "keine dumme Hausfrau" gewesen.

Dem NSU werden unter anderem zehn Morde und zwei Bombenanschläge angelastet. Die Taten sollen die mutmaßlichen Rechtsterroristen aus Ausländerhass verübt haben. Aufgeflogen war die Gruppe erst, nachdem sich Mundlos und Böhnhardt nach einem missglückten Banküberfall 2011 das Leben genommen hatten. Zuvor hatte das Trio jahrelang unerkannt im Untergrund gelebt.

Brandt wurde in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Er sitzt in Gera wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch und Zuhälterei in Untersuchungshaft, weil er einen 15-Jährigen sexuell missbraucht und an Freier vermittelt haben soll. Außerdem soll er weitere Jugendliche und Männer als Zuhälter illegal an Freier weitergeleitet haben.

Brandt soll den "Thüringer Heimatschutz" aufgebaut haben. Außerdem soll er aber als V-Mann für das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz gearbeitet und rund 100.000 Euro für Spitzeldienste erhalten haben. Dies Geld will er zur Finanzierung der rechtsextremen Szene eingesetzt haben. Wie Brandt sagte, hat er durch seine Enttarnung 2001 seine Kontakte zur rechten Szene verloren.

(xity, AFP)


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