19.11.2018 || Startseite -> Nachrichten aus duesseldorf -> lokales -> Ramstein soll zentrale Rolle in US-Drohnenkrieg spielen

Ramstein soll zentrale Rolle in US-Drohnenkrieg spielen

Basis bei Einsätzen offenbar wichtiger als bekannt

Die US-Militärbasis im deutschen Ramstein spielt laut einem Medienbericht eine weit wichtigere Rolle im weltweiten US-Drohnenkrieg als bislang bekannt.

Berlin - Die Rundfunksender NDR und WDR sowie die "Süddeutsche Zeitung" berichten, auf dem Luftwaffenstützpunkt in Rheinland-Pfalz würden Live-Bilder der völkerrechtlich umstrittenen Drohneneinsätze analysiert und mit nachrichtendienstlichen Erkenntnissen abgeglichen. Zudem werde Ramstein als Relaisstation genutzt, um Steuerungsbefehle an die weltweit operierende Drohnenflotte zu übermitteln.

Bislang wurde angenommen, dass lediglich Drohnenangriffe in Afrika von Deutschland aus gesteuert werden. Nach Berichten von NDR und "Süddeutscher Zeitung" über die Einbindung von US-Basen in Deutschland vergangenes Jahr hatte US-Präsident Barack Obama erklärt, Deutschland sei "keine Ausgangsbasis" für Drohnenangriffe. Ab dieser Woche beschäftigt sich der NSA-Untersuchungsausschuss mit der Drohnen-Problematik.

Die Bundesregierung erklärte den Medien auf Anfrage, die US-Regierung habe ihr versichert, "dass von amerikanischen Stützpunkten in Deutschland Einsätze bewaffneter ferngesteuerter Luftfahrzeuge weder geflogen noch befehligt werden". Die Recherchen der Medien deuten jedoch darauf hin, dass Ramstein eine zentrale Rolle bei der Planung und Steuerung des international umstrittenen Drohnenkriegs in Pakistan, Jemen und anderen Ländern spielt.

Laut dem Bericht sagte der frühere US-Drohnenpilot Brandon Bryant: "Ohne Deutschland wäre der gesamte Drohnenkrieg des US-Militärs nicht möglich." Wegen der großen Entfernung der Piloten in den USA und den unbemannten Flugzeugen über den Einsatzgebieten müsse das Signal nach Deutschland geleitet werden, von wo es über ein Kabel weiter in die USA geführt werde. Das belegen dem Bericht zufolge auch interne Dokumente des US-Militärs.

Zudem befindet sich laut den Medien in Ramstein seit Februar 2003 eine "Distributed Ground System 4" (DGS-4) genannte Einheit, die Live-Bilder der Drohnen-Einsätze analysiert und mit Geheimdienstinformationen abgleicht. Über ein verschlüsseltes Chat-Programms namens mIRC erhalten die Drohnen-Piloten demnach aus Ramstein dann Analysen und Anweisungen. Das DGS-4 sei eine von fünf weltweit operierenden Einheiten, die Drohnenbilder auswerten.

(xity, AFP)


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