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Prozess um tödliche Schüsse auf Berliner Steuerberater

Sohn von Opfer muss sich wegen Mordes verantworten

Vor der Jugendkammer des Berliner Landgerichts beginnt heute der Indizienprozess um die tödlichen Schüsse auf einen Berliner Steuerberater.

Berlin - Angeklagt ist der 17-jährige Sohn des Opfers, dem die Staatsanwaltschaft Mord zur Last legt. Der zur Tatzeit 16-Jährige äußerte sich bislang nicht zu dem Vorwurf. Seit seiner Festname im Oktober vergangenen Jahres schweigt er. Wegen des Alters des Angeklagten verhandelt das Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Die Tat hatte im August 2013 bundesweit für Aufsehen gesorgt. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft verschaffte sich der Sohn des Opfers am frühen Nachmittag des Tattages mit einem Schlüssel Zugang zu den Kanzleiräumen seines Vaters im gutbürgerlichen Berliner Stadtteil Westend.

Dort soll er "unvermittelt" zehn Schüsse aus einer Pistole auf seinen Vater Ingo W. abgegeben haben. Vier Kugeln trafen ihn im Bereich des Oberkörpers und eine am Kopf. Der 49-Jährige wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er wenig später seinen schweren Verletzungen erlag.

Schon kurz nach der Tat gerieten der damals 16-Jährige und sein zwei Jahre älterer Bruder in Verdacht. Die beiden Jugendlichen wurden von der Polizei in der elterlichen Wohnung abgeholt und verhört. Wenig später setzten die Ermittler sie jedoch auf freien Fuß, da der Tatverdacht nicht erhärtet werden konnte. Zeugenaufrufe blieben erfolglos, die am Tattag in der Steuerkanzlei Anwesenden machten laut Medienberichten widersprüchliche Aussagen.

Im Oktober nahm die Polizei den jüngeren Sohn dann erneut fest. "Aufgrund von weiteren Ermittlungsergebnissen, insbesondere neuen Indizien und Zeugenaussagen, hat sich ein dringender Tatverdacht gegen den 16-Jährigen ergeben", erklärte die Staatsanwaltschaft damals, ohne nähere Angaben zu machen. Ob der Mordvorwurf vor Gericht Bestand hat, muss sich jetzt erweisen.

In dem Indizienprozess sind 19 Prozesstage angesetzt. "Das Gericht wird Beobachtungen aus dem Umfeld heranziehen, um sich ein Bild zu machen, Zeugen müssen gehört werden, Sachverständige sind geladen", sagte ein Gerichtssprecher. Die Eltern von Ingo W. treten als Nebenkläger auf.

Die Herkunft und der Verbleib der Tatwaffe sind laut Staatsanwaltschaft indes nach wie vor ungeklärt. Auch zu dem möglichen Motiven für die Tat äußerte sich die Anklagebehörde bisher nicht. Medienberichten zufolge lebten der Steuerberater und seine Frau getrennt. Ingo W. wollte sich demnach scheiden lassen. Gegen die Mutter und den Bruder des Angeklagten ermittelt die Staatsanwaltschaft weiterhin wegen einer möglichen Tatbeteiligung.

(xity, AFP)


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