Prozess gegen Mutter von wie Sklavin gehaltenem Mädchen begonnen

Opfer in Bosnien jahrelang gequält

Weil ihre Tochter mit ihrem Wissen von einem Ehepaar in Bosnien-Herzegowina jahrelang wie eine Sklavin gehalten worden sein soll, muss sich eine 59-Jährige vor dem Landgericht Halle verantworten.

Halle - Ihr werden unter anderem Misshandlung von Schutzbefohlenen und Körperverletzung zur Last gelegt. Zum Prozessauftakt waren nach Angaben eines Gerichtssprechers unter anderem Zeugenaussagen geplant.

Die Jugendliche war im Mai 2012 von Polizisten in einem Dorf im Nordosten Bosniens befreit worden, ihr Fall hatte damals für Schlagzeilen gesorgt. Der Mann, der die bei ihrer Entdeckung 19-Jährige über Jahre hinweg mit seiner Ehefrau zu schwerster Feldarbeit gezwungen und misshandelt hatte, war von einem bosnischen Gericht schon im Januar 2013 zu zwei Jahren Haft verurteilt worden.

Der Anklage zufolge soll die 59-Jährige ihre Tochter 2004 im Alter von elf Jahren aus Deutschland zu dem mit ihr befreundeten Mann und seiner Familie nach Bosnien gebracht haben. Von dieser sei sie eingesperrt, misshandelt und vernachlässigt worden. So habe das Mädchen schwerste körperliche Arbeit verrichten müssen, habe das Grundstück nicht verlassen dürfen und sich von dem für die Tiere bestimmten alten Brot ernähren müssen.

Ihre Mutter soll sich demnach mindestens zweimal pro Jahr vor Ort aufgehalten haben und genau gewusst haben, unter welchen Umständen ihre Tochter leben musste. Nach Angaben des Landgerichts stritt die Angeklagte vor der Hauptverhandlung sämtliche Tatvorwürfe gegen sich ab. Im Fall einer Verurteilung droht ihr eine Haftstrafe von mindestens einem Jahr.

(xity, AFP)